TÜBINGEN. Ein Zuhause zu finden ist nicht immer ein leichtes Unterfangen. Dem SWR in Tübingen ergeht es da nicht anders. Nach langer ergebnisloser Suche nach einem neuen Standort hat der Sender nun beschlossen einfach dort zu bleiben, wo man ist - nämlich auf dem Österberg. Das Gebäude, aus dem im Jahre 1950 das erste Mal gesendet wurde, soll dem Erdboden gleichgemacht werden. Das alte Studio war laut Dr. Andreas Narr, Studioleiter des SWR Tübingen, »nicht mehr funktionabel«. In dem mittlerweile als provisorisch geltenden Sendehaus gehen derzeit 60 Menschen ihrer Arbeit nach. Der größte Teil davon in freier Mitarbeit.

Neues Studio auf dem
Österberg
Das Neue soll das Modernste in Baden-Württemberg werden. 9,5 Millionen Euro will der Südwestrundfunk dafür lockermachen. »Wir wollen uns erheblich verkleinern, werden aber smarter«, so der Verwaltungsdirektor des SWR, Jan Büttner. Gemeint ist damit im Wesentlichen, dass man das riesige Grundstück mit Wald und Wiesen, welches bisher unbenutzt an das SWR-Gebäude grenzte, veräußern möchte. Dadurch soll zum Teil der Neubau finanziert werden. Ob an einen Investor oder an die Stadt verkauft wird, ist noch nicht klar.

Neuer Wohnraum in guter Lage
Für bis zu 200 Menschen könnte der Österberg dann eine neue Heimat sein. Im Schulterschluss mit der Stadt wurde geregelt, dass 33 Prozent der Wohnfläche für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung gestellt werden soll. Neben Einfamilienhäusern und Mehrfamilienhäusern soll auch ein wenig Platz für Gewerbe sein. »Bauen ist erst mal eine aufwendige Geschichte und macht keine Freude«, so der Baubürgermeister der Stadt Tübingen, Cord Soehlke. Bei einem Informationsabend zu dem Thema »Österberg« trugen ihm zahlreiche Bürger ihre Bedenken und Anliegen vor. In der Planungszeit sollen daher auch die Anwohner gehört werden, damit ihre Belange berücksichtigt werden können. 

Mehr Menschen, mehr Autos
Neben dem Umweltschutz und der Frage nach der Bodenbeschaffenheit ist gerade der Verkehr und die Parksituation in den anliegenden Straßen ein großes Thema. Der Kalkulation, in der in den Spitzenstunden mit nur 30 Autos mehr gerechnet wird, stehen die Anwohner skeptisch gegenüber. Die Sorge vor mehr Staus und Behinderungen bleibt. Zumindest für die Menschen, die auf »Schusters Rappen« unterwegs sind gibt es Entwarnung. Der Wilhelm-Schussen-Weg soll auf jeden Fall in irgendeiner Form erhalten bleiben, da er für die Fußgänger auf dem Weg zur Stadt unverzichtbar ist.

Die Zeit drängt
Das Bauvorhaben ist in mehreren Phasen aufgeteilt. Erst soll das neue SWR-Studio entwickelt und gebaut werden. Dann sollen die Wohnquartiere folgen.
Der SWR steht in dieser Sache etwas unter Zeitdruck - wegen der politischen Entwicklung im gesamten Land bangt das Rundfunkhaus um sein Vorhaben und möchte es nun so schnell wie möglich über die Bühne bringen. Denn es braucht die Zustimmung von allen 16 Landtagen, damit die Mittel zur Verfügung gestellt werden können. Auch die Studios in Baden-Baden und Mannheim sollen nun zeitnah ebenfalls umgebaut werden.     –boe