TÜBINGEN. Es war still geworden um das Innenstadt-Konzept der Regionalstadtbahn. Doch diese scheint in Tübingen Fahrt aufzunehmen. Über den aktuellen Stand der Planungen und den künftigen Fahrplan berichteten Oberbürgermeister Boris Palmer und Baubürgermeister Cord Soehlke im Rathaus.
Trotz nach wie vor unterschiedlicher Vorstellungen wollen Verwaltung und Gemeinderatsfraktionen bis auf Weiteres gemeinsam vorgehen. Wichtige Station ist der Bürgerentscheid im Jahr 2020, wann genau, ist noch offen. 
»Der Gemeinderat sagt mehrheitlich: ’Wir brauchen eine Lösung’«, erklärte Palmer. Der Gemeinderat will wegen der großen Bedeutung des Projekts die Entscheidung nicht alleine treffen, sondern durch ein Bürgervotum legitimieren lassen.
»Wir haben lange darauf hingearbeitet, die Vorplanung einschließlich Kostenberechnung der Strecke vom Bahnhof bis Waldhäuser-Ost liegt nun vor.« Die Gesamtkosten betragen demnach rund 200 Millionen Euro. Für den ersten Bauabschnitt vom Hauptbahnhof zur Morgenstelle sind für Baukosten 82 Millionen, Planungskosten 16,5 Millionen und Mehrwertsteuer 19 Millionen Euro veranschlagt. Die etwa vier Kilometer lange Strecke soll in den nächsten zehn Jahren realisiert werden. Für den zweiten Abschnitt von der Morgenstelle nach Waldhäuser-Ost sind an Baukosten 81 Millionen, Planungskosten 16 Millionen und für die Mehrwertsteuer 18 Millionen Euro eingeplant. Wann dieser gebaut wird, ist unklar.
»Wegen der hohen Kostenbelastung gab es auch bei mir zeitweise Fragezeichen«, räumte der OB ein. Inzwischen sei er überzeugt, dass die Stadt sich die Bahn leisten könne. »Ich werde mich für die Innenstadtstrecke mit ganzer Kraft einsetzen.«
Palmer rechnete vor, dass sich Bund und Land mit 70 Millionen Euro je Bauabschnitt beteiligten, rund 47 Millionen müssten jeweils die Stadt aber auch die drei Landkreise einbringen. »Auf die Stadt käme somit wahrscheinlich ein zweistelliger Millionenbetrag mit einer Zwei vorneweg zu«, so der OB. Im Vergleich habe die Erweiterung des Landratsamts nur halb so viel gekostet. Und: »In Berlin gibt es Mittelreichtum.« Im Zuge des Stadtbahnbaus würde die Eberhardsbrücke in ihrer heutigen Form abgerissen und durch eine neue, breitere ersetzt.

Lösung des Pendlerproblems
Baubürgermeister Soehlke indes hat einige Zweifel an dem Konzept. »Ich stehe nicht so komplett dahinter, wie der OB«, sagte er. Man müsse auch über Alternativen nachdenken, so über andere vernetzte Formen wie Schnellbussverbindungen. 
Palmer war vor mehr als zwanzig Jahren Mitbegründer des Vereins Pro Regio Stadtbahn. Warum die Stadtbahn jetzt wieder ein Thema ist? »Wir haben versucht, intern neue Wege zu gehen und im Hintergrund gearbeitet«, erklärte der OB.
Die Innenstadttrasse durch die Uni-Stadt wäre, käme das Projekt zustande, an das Schienennetz der Regionalstadtbahn in den Richtungen Reutlingen, Herrenberg, Rottenburg und Albstadt angebunden. Während der vergangenen fünf Jahre habe man einen »mühsamen Prozess« durchlaufen, sagte Palmer. Doch immerhin sei der »politische Teil« der Regionalstadtbahn geschafft. Der OB sieht in dem Streckenverbund eine »hocheffiziente Maßnahme zur Lösung des Pendlerproblems«. Rund 70 Prozent der Einpendler könnten die Verbindung bis zur Morgenstelle ohne Umstieg nutzen. Am heutigen Donnerstag berät der Planungsausschuss über das weitere Verfahren. Die Planung soll anschließend abgesegnet werden. Am 18. September gibt es eine öffentliche Informationsveranstaltung, es folgen weitere Info-Termine und Workshops zu »Pro« und »Contra«. Bei der ersten Abschlussveranstaltung im Dezember will die Verwaltung die Ergebnisse präsentieren.    –jos
 

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