TÜBINGEN. Sie hatten sogar schulfrei bekommen, um in ihrem Treff »Bauwa Downtown« hinter der früheren Egeria (dem neuen, schicken Wohngebiet der »Alten Weberei«) an einem Tag der offenen Tür, einem »Jugendforum« teilnehmen zu können. Denn die Stadt will die Kinder und Jugendlichen frühzeitig einbeziehen in die Pläne, aus der einstigen »Barack« ein richtiges Jugend- und Gemeinschaftshaus für Lustnau zu machen. Es soll auch den bestehenden kleinen Treff neben der Turn- und Festhalle ergänzen oder ersetzen. 

Deshalb war neben den für Lustnau zuständigen Sozialarbeitern Elisabeth Hinrichs und Simon Kappeller sowie Michaela Bubeck vom planenden Hochbauamt auch die Erste Bürgermeisterin Dr. Christine Arbogast zu den rund 50 Kids gekommen und begrüßte sie: »Das wird wahrscheinlich auf lange Jahre das letzte Jugendhaus sein, das in Tübingen gebaut wird. Und ihr könnt dabei mitreden, ihr sollt dabei mitreden.«

»Bauwa Downtown« oder auch die »Barack« war aus einer grossen Bauwagen-Clique auf der Pfrondorfer Höhe entstanden, hatte sich als ein Jugendtreff-Verein gegründet und war Ende 1996 im Tal sozusagen sesshaft geworden.
Der mit viel engagierter und liebevoller Eigenarbeit errichtete, immer wieder umgestaltete und erweiterte »Barack«-Bau war dann allerdings im Jahr 2001 durch Brandstiftung völlig zerstört worden und musste abgerissen werden. 
Anderthalb Jahre später stand nach einem großen Kraftakt der jetzige Jugendtreff, wurde feierlich eröffnet und tat bis jetzt beste Dienste als »Beach-Party«-Location, Bandbühne, familiärer Festsaal, Grillplatz für die Clique oder einfach als Chill-out. Der Verein war auch stets auf Lustnauer Dorffesten präsent. Jetzt sollen die Aktivitäten der privaten Initiative und die städtische Jugendarbeit auch baulich zusammengefasst und erweitert werden. »Es steht noch nicht viel fest«, ermunterte die Erste Bürgermeisterin vor dem gemeinsamen Essen und den Workshops die Teilnehmer. »Nutzt den Tag und bringt auch mal verrückte Ideen mit ein! Aber die Skateboarder sollten vielleicht nicht nur übers Skateboarden nachdenken...«
Vor den vielen denkbaren Nutzungsplänen für drinnen und draußen stehen nach Auskunft von Michaela Bubeck zunächst »viele Untersuchungen« an. Dazu gehört zum Beispiel der Schallschutz am Ende der Nürtinger Straße.
Denn lag der »Bauwa owntown« einst (neben der legendären italienischen »Bocciabahn« mit ihrem Biergarten, wo es gleichfalls bis spät nachts laut und hoch hergehen durfte) weit draußen hinter der verlassenen Fabrik und dem öden Parkplatz, so ist der Jugendtreff jetzt unmittelbarer Nachbar eines neuen Stadtteils mit hohem Anspruch an Komfort, Ruhe und Familienfreundlichkeit. Das kann auch ein Vorteil sein - und ein Grund für den großen städtischen Einsatz: Rund die Hälfte der Kinder und Jugendlichen zwischen zehn und 16 Jahren kamen zu diesem Jugendforum aus der »Alten Weberei« herüber. –mab