TÜBINGEN. Binnen der nächsten zehn Jahre will die Tübinger GWG 500 neue Wohnungen bauen und damit ihren Bestand um 25 Prozent erhöhen. Das gaben der Aufsichtsratsvorsitzende der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft, Oberbürgermeister Boris Palmer, sowie Geschäftsführer Uwe Wulfrath und Prokurist Paul Schmid bekannt.
Der Oberbürgermeister bezeichnete diese Wende auf dem Wohnungsmarkt mit diesem Programm »Wohnen für alle« als »Strategiewechsel«. Im vergangenen Jahrzehnt hatte sich die GWG weitgehend auf energetische Sanierung im Rahmen des städtischen Klimaschutzprogramms, auf die Modernisierung und den Erhalt ihres Bestandes von 2000 Wohnungen konzentriert. Neubau, so Palmer sei mangels Zuschüssen für sozialen Wohnungsbau »wirtschaftlich nicht darstellbar«, also nicht kostendeckend zu machen gewesen. Auch die Ansprüche seien gestiegen, bilanziert der Oberbürgermeister. Wohnungen ohne Balkon ließen sich »kaum noch vermieten«, so Palmer. Der Wert des GWG-Bestandes aber hat sich laut Geschäftsführer Uwe Wulfrath in diesen zehn Jahren verdoppelt. Das »ehrgeizige Klimaschutzprogramm« sei nun mit Abriss und Neubau »nicht sanierungsfähiger Wohnungen« weitgehend abgeschlossen. Es soll nun fließend in das von OB Boris Palmer angekündigte städtische Programm »Fairer Wohnen« übergehen, mit dem die Wohnungsnot bekämpft und bezahlbarer Wohnraum in der Unistadt geschaffen werden soll.

130 Millionen investieren
Vor allem mit Verkäufen von »nicht gut ins Portfolio passenden Immobilien« und den »Gewinnen aus dem Bauträgergeschäft« will Uwe Wulfrath die neuen Investitionen finanzieren, die sich auf insgesamt 130 Millionen Euro summieren. Das entspricht rund 13 von 20 Millionen Euro pro Jahresetat der GWG. Noch im laufenden Jahr werden die ersten Projekte angepackt. Direkt neben dem Sitz der GWG im Behördenviertel Konrad-Adenauer-Straße sind sieben Miet- und sieben Eigentumswohnungen im Bau. An der Köllestraße in der Weststadt ist Spatenstich bei sieben Mietwohnungen für obdachlose Frauen. 33 Mietwohnungen werden vom Mai an in der Stuttgarter Straße 14 bis 22 entstehen.

Langfristig bezahlbar halten
Im kommenden Jahr sind 33 neue Mietwohnungen im Areal Rheinlandstraße/Eckener Straße, acht Mietwohnungen samt neuer Kita in der Eugenstraße und - nach Abriss und Neubau - 18 zusätzliche neue Mietwohnungen im alten Derendinger Dorfkern an der Sieben-Höfe-Straße geplant. 
Von 2020/21 an sind rund um das Hechinger Eck (etwa auf dem Grundstück des früheren am Autohauses »Palazzo«), an der Ebertstraße, Stuttgarter Straße sowie am Wennfelder Garten summa summarum 153 zusätzliche Mietwohnungen für die Südstadt angedacht. In den Teilorten von Pfrondorf bis Bühl will die GWG 60 neue Mietwohnungen errichten. Für die Mitte des Jahrzehnts stehen noch einmal je 50 neue Mietwohnungen in der Weststadt (Westbahnhof-/Rheinlandstraße) und in Derendingen an. Weitere je 50 Wohnungen will die GWG über Dachgeschoss-Ausbau und auf dem Bauhof-Areal nahe dem Französischen Viertel realisieren. Auch langfristig bezahlbar wollen der Oberbürgermeister und die GWG-Chefs den künftigen Wohnraum durch Aufnahme in die Mietpreisbindung halten. Aber auch »für die Mittelschicht ohne Wohnberechtigungsschein«, so GWG-Chef Wulfrath, soll es Angebote geben. –mab