»Wasser marsch!« Derartige Kommandos sind an diesem Morgen in Kirchentellinsfurt regelmäßig zu hören, denn es ist ein wichtiger Tag für die erste reine Frauengruppe der Feuerwehrabteilung Tübingen, die ihr Bronzeabzeichen erfolgreich erhielt. »Dass es kaum reine Frauengruppen bei der Freiwilligen Feuerwehr gibt, liegt oft an den meist männlichen Gruppenführern und den Maschinisten, die das Feuerwehrauto fahren«, erklärt Gruppenführerin Antje Landgraf. Die neunköpfige Truppe fand sich schnell zusammen, als die 29-jährige Melanie Kirchner im letzten November ihren LKW-Führerschein machte. »Mit einem Frauenanteil von 7,2 Prozent bei uns in Tübingen liegen wir knapp zwei Prozent über dem Landesdurchschnitt«, so Landgraf, die selbst als einzig weibliche Gruppenführerin unter 93 Männern ein Ausnahmefall ist.
Sieben MinutenUm Punkt 9.45 geht die Prüfung los. »Die Mädels«, wie Gruppenführerin Antje Landgraf die Gruppe gerne nennt, bekommen letzte Anweisungen. »Als wir vor der Prüfung im Auto saßen, waren wir alle ganz ruhig. Da lag eine richtige Spannung in der Luft«, erzählt Stephanie Rottenau. Auf Kommando springen alle aus dem Wagen und gehen zielstrebig ihren Aufgaben nach: Material herausholen, Schläuche ausrollen und sie an den Verteiler anschließen. Die Zeit ist knapp, denn insgesamt haben die Mädels für die Prüfung nur sieben Minuten Zeit. »Es handelt sich hier um eine simulierte Übung, die aus Löschangriff und Rettung einer Person aus einem brennenden Haus besteht«, erklärt Feuerwehrkommandant Michael Oser. Das »brennende Haus« wird hier von einem Baugerüst ohne echte Flammen ersetzt. Doch die Mädels sind ein eingespieltes Team: in hohem Tempo tragen sie die Leiter zum Baugerüst, auf dem der Hilferufende schon auf sie wartet. »Wasser marsch!«- ruft eine Truppfrau, woraufhin das Wasser aus dem Löschwasserbehälter gepumpt wird und nur so aus dem Schlauch spritzt. Schon kurze Zeit später ist der zu Rettende sicher auf dem Erdboden angelangt  und wird von zwei Feuerwehrfrauen flankiert in sicheres Gebiet gebracht. Ein ungewohnter Anblick. »Bei der männerdominierten Feuerwehr ist oft die Akzeptanz eine Hemmschwelle für viele Frauen und Mädchen«, meint Antje Landgraf. »Doch sobald frau sich beweist, ist das eigentlich kein Thema mehr.«
Bronze für alleDie frohe Nachricht erhält das Frauenteam kurz nach der Prüfung: das Team hat bestanden! »Ich bin so erleichtert«, sagt Maschinistin Melanie Kirchner. Ohne die 29-jährige als Maschinistin wäre die Truppe wohl nie zusammengekommen. Strahlende Gesichter  und vor allem Geburtstagskind Stephanie Rottenau ist glücklich: »Ich kann nur alle Frauen und Mädels dazu anspornen, der freiwilligen Feuerwehr beizutreten. Es ist nicht nur eine tolle Mischung aus Ehrenamt und Sport, sondern auch einzigartig was die Gemeinschaft angeht«, so die 33-jährige. Auch Gruppenführerin Antje Landgraf ist mächtig stolz auf »ihre Mädels«. »Da wird doch klar, dass Frauen genau dasselbe können wie Männer«, sagt sie schmunzelnd. 
Am Abend bekommen die acht jungen Frauen dann ihr Bronzeabzeichen verliehen,  dass sie von nun an stolz an ihrer Uniform tragen dürfen.                        -ras