Alle reden vom Geld, nur die Unterjesinger nicht, oder zumindest nicht so laut. Die kämpferischen Tübinger Vorstädter im Ammertal wollen auf Teufel komm raus ihre Vorstellungen nicht beerdigen, parallel zur B 28 eine neue Straße bauen zu lassen, eine Straße, die zeitweise in einem Tunnel verschwinden soll.
Wer die Lage kennt, weiß, dass die Unterjesinger verdammt hoch pokern. Weiter südlich, im Neckartal, soll, man sieht es, die neue B 28 zwischen Tübingen und Rottenburg gebaut werden. In Tübingen hat man den Schindhau-Tunnel im Zuge der
B 27 zwar ein wenig aus den Augen verloren, aber noch längst nicht aufgegeben. 
Und dann kommen die Unterjesinger mit ihrem Projekt, für das es noch keine Planung und schon gar keine Mittel gibt. Ortsvorsteher Michael Rak, bekannt für seine forschen Auftritte, hatte vor mehr als zwei Jahren die Idee aufgebracht.
Wo andere wieder zurückgezogen hätten, hat Rak nun sein Ziel zäh weiter verfolgt und erinnert die Politiker ständig daran, dass es im Ammertal noch was zu tun gäbe. 
Immerhin kann er darauf verweisen, dass täglich rund 25 000 Autos durch den Ort fahren, wenn da überhaupt noch von Fahren die Rede sein kann. Besser wäre es, wenn man vom Durchstehen reden würde. Unnötig zu erwähnen, dass Lärm, Abgase und was der Verkehr noch mit sich bringt die Bevölkerung mehr als nur belastet. Tempolimit bei 30 Kilometer pro Stunde, Pförtnerampel – nichts hat bisher geholfen. Und die Autos sind auch nicht weniger, eher mehr geworden.
Es hat sich halt gerächt, dass man sich in früheren Jahren partout nicht auf eine Umfahrung hatte einigen können.
Und jetzt im Süden ums Dorf. Rak freut sich, dass man jetzt zumindest so was hat wie eine Trasse. Diese soll, da ist man sich inzwischen einig, tiefer gelegt werden soll und zum Teil zumindest verschwinden.
Wer die B 28 im Bereich des Orts kennt: Von Westen her soll die Straße zuerst nach rechts und dann auf Höhe der Tankstelle in einem Tunnel verschwinden. Dieser Tunnel soll, so die Planer, unter der Bahn hindurchgeführt werden. Es werden, so scheint es, die Probleme, die die Bahn in Rheintal hat, in Unterjesingen nicht erwartet. Nach der Unterquerung soll die Trasse wieder ans Tageslicht steigen und ein Stück weit zumindest durch eine Galerie verdeckt sein. 
Nicht genug damit: Die Trasse wird dann erneut unterirdisch weitergeführt.
Klar, dass diese Variante eigentlich schon von vornherein ausscheiden wird, denn die Kosten sind so hoch, dass selbst der optimistische Michael Rak wird kaum daran denken können, den Plan zu realisieren. Die Trasse würde rund 80 Millionen Euro kosten. Das sollte man eigentlich meinen. Es ist aber gerade einmal einen Monat her, dass Rak und seine Unterjesinger bei einem Hock in der Ortsmitte, auf der Hauptstraße durchaus weiter die Möglichkeiten durchspielten, dass eine neue Trasse um den Ort tatsächlich kommen könnte.
Man geht nach wie vor von einer zweimaligen Untertunnelung im Süden des Dorfs aus. Erstaunlich, dass Rak bei der Veranstaltung des, wie er es nennt, »Tunnelbauvereins« in einer Machbarkeitsstudie von knapp 90 Millionen Euro spricht. Baubeginn könnte das Jahr 2021 sein. 
Und weil die Gedankenspiele so verführerisch sind, stellt Rak sich vor, nach dem Bau der Bundesstraße im Zentrum altersgerechte Wohnungen zu bauen. Dass er so kräftig ans Planen geht, kommt auch daher, dass das Verkehrsministerium des Landes vor drei Jahren es noch abgelehnt hatte, den Tunnel in den Bundesverkehrswegeplan aufzunehmen, inzwischen gilt jedoch als sicher, dass das ehemalige Dobrinth-Ministerium sich doch damit befasst hatte. 
Vielleicht geht es Unterjesingen wie der Maut-Geschichte: Es wird viel diskutiert, am Ende wird aber der Ort sich die Pläne abschminken müssen. Und Raks Schwiegermutter, mittlerweile 92, wird nicht, wie Rak zitiert wird, im Alter von 100 Jahren im Rollstuhl durch den Tunnel geschoben werden können.