TÜBINGEN. Bei der Staatsanwaltschaft Tübingen sind im vergangenen Jahr erneut mehr Ermittlungsverfahren gegen bekannte Täter eingegangen als 2016. Auch Körperverletzungs- sowie Sexualdelikte verzeichnen einen neuen Höchstwert.
»Bei den Kapitaldelikten gab es 2017 mit 42 Verfahren einen deutlichen Ausreißer«, sagte die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Tübingen, Tatjana Grgic, im Mediengespräch. Die Zahl hat sich gegenüber den beiden Vorjahren nahezu verdreifacht. Diese Zunahme sei maßgeblich auf die Angaben von Flüchtlingen zurückzuführen, die im Asylantragsverfahren behaupten, in ihrem Heimatland einen Menschen getötet zu haben und deshalb hier als politisch Verfolgte um Asyl nachsuchen. Prof. Dr. Michael Pohl, Leitender Oberstaatsanwalt in Tübingen, erläuterte dazu: »Diese Verfahren sind sehr zeitaufwändig und hochkompliziert, da wir jeden Fall genau prüfen müssen. Zwischen Deutschland und Ländern wie beispielsweise Nigeria und Afghanistan bestehen aber keine Rechtshilfeabkommen, was die Arbeit ungemein erschwert.«
Nach einem deutlichen Rückgang in den Jahren 2014 bis 2016 ist die Zahl der eingegangenen Ermittlungsverfahren gegen Jugendliche und Heranwachsende auf 4423 Fälle erstmals wieder merklich gestiegen. Zugenommen haben auch vorsätzliche Körperverletzungsdelikte (2472), Betäubungsmittelstraftaten (2177), die Verbreitung pornografischer Schriften (91), Insolvenzstraftaten (116) sowie Steuerstraftaten (36). 
Rückläufig sind hingegen die Verfahren bei Diebstahl und Unterschlagung (3055), Betrug und Untreue ( 4311) und
Geldwäsche (280). Bettina Winckler, Erste Staatsanwältin, legte ein besonderes Augenmerk auf die Sexualdelikte. Deren Zahl bewegt sich seit 2013 durchweg über dem Zehn-Jahres-Durchschnitt und liegt 2017 bei 273. »Ein absoluter Höchstwert«, so Winckler.
Dominiert würden die Straftaten durch sexuelle Übergriffe, Nötigungen und Vergewaltigungen. »Der Gesetzgeber hat vor anderthalb Jahren den Schutz der sexuellen Selbstbestimmung verbessert und stellt mit dem neuen Paragrafen 184i sexuelle Belästigungen unter Strafe«, erklärte die Staatsanwältin.
Dieser schlage im vergangenen Jahr allein mit 59 Verfahren zu Buche. 
Ein Anstieg verzeichnet die Behörde auch bei den Ermittlungen gegen bekannte Täter, deren Zahl liegt bei 22 911 Verfahren. Bei der Staatsanwaltschaft dauerten die Verfahren vom Eingang bis zur Beendigung im letzten Jahr durchschnittlich rund 38 Kalendertage.     –jos