TÜBINGEN. Das Silcher-Denkmal auf der Neckarinsel wird gereinigt und saniert. Zunächst wurde die Umfassungsmauer gesäubert. In den nächsten Tagen wird die Figur vom Hubsteiger aus mit Heißdampf von Schmutz und Graffiti befreit. In einem weiteren Schritt sollen die Steine durch eine neue Verfugung gesichert und Risse ausgebessert werden. Die Kosten der Sanierung liegen bei rund 5 000 Euro.

Schlechter Zustand
Anlass für die Sanierung ist der schlechte Zustand, in dem sich das Denkmal befindet. Lose Steine drohen herabzufallen, außerdem ist das Denkmal stark verschmutzt und vermüllt. Es ist von Sträuchern zugewuchert, mit Flechten bewachsen und zudem mit zahlreichen Graffitis bemalt.
An der Umfassungsmauer und an der Figur sind die Fugenmörtel lose, ausgebrochen oder nicht mehr vorhanden. Das Denkmal besteht aus sogenanntem Falkensteiner Marmor, einem hellen Kalkstein. Die Restauratorin, Julia Feldtkeller, geht davon aus, dass die helle Farbe des Steins nach der Reinigung wieder zum Vorschein kommt.

In Broschüre vorgestellt
Die Stadtverwaltung beschäftigt sich seit 2015 intensiv mit der Kunst im öffentlichen Raum. Alle Kunstwerke und Denkmale wurden seither dokumentiert und in einer Broschüre vorgestellt. Anschließend prüfte die Verwaltung gemeinsam mit Restauratoren den Bedarf für Sanierung und Reinigung. Auch das Hölderlin-Denkmal im Alten Botanischen Garten soll in den kommenden Monaten saniert werden.

Silcher bedeutender Musiker
Friedrich Silcher (1789-1860) spielt eine bedeutende Rolle in der Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts. Er gilt als Schöpfer des artifiziellen Volksliedes, vertonte Gedichte von Ludwig Uhland und Eduard Mörike. Silcher war der erste Universitätsmusikdirektor und gründete 1829 die Akademische Liedertafel in Tübingen.
Silcher wurde bereits wenige Jahre nach seinem Tod politisch vereinnahmt. Insbesondere die Nationalsozialisten instrumentalisierten den Komponisten für ihre Zwecke.
Der Schwäbische Sängerbund beauftragte nach einem Wettbewerb im Juni 1939 den Stuttgarter Bildhauer Wilhelm Julius Frick mit der Ausführung eines Silcherdenkmals.
Sein Entwurf erfüllte genau die Vorgaben des federführenden NS-Kreisleiters Hans Rauschnabel. Dargestellt ist der sitzende Musiker, wie er an seinen Kompositionen schreibt. In seinem Rücken sind Personen aus den Liedtexten zu sehen. Das Denkmal wurde 1941 fertiggestellt. Nach 1945 war das Denkmal umstritten, stellt aber heute ein wichtiges zeithistorisches Mahnmal dar.    –tw