TÜBINGEN. Immer weniger Menschen können schwimmen. Vor allem Kinder und besonders Flüchtlinge und Migranten betrifft das. Erst jüngst ertrank ein Nichtsschwimmer im Kirchentellinsfurter Baggersee. Angela Merkels Staatsministerin und Integrationsbeauftragte Annette Widmann-Mauz besuchte jetzt das Tübinger Uhlandbad, wo sich in einem Projekt die Stadt, der Schwimmverein und Flüchtlingshelfer um Schwimmkurse kümmern.

Zu wenig Kurse
Im hundert Jahre alten Uhlandbad haben tausende von Tübingern Schwimmen gelernt. Auch weil es inzwischen zu klein ist, gibt es mittlerweile viel zu wenig Unterricht und Schwimmkurse. Dagmar Müller hat gemeinsam mit Gerd Müller vom »Lenkungskreis »Runder Tisch Kinderarmut« das Projekt »Schwimmen für alle Kinder« ins Leben gerufen, das natürlich auch vom Tübinger Schwimmverein unterstützt wird. 
Sie konnte über viele Erfolge von mittlerweile 21 000 Schwimmstunden für 600 Teilnehmer von Fünfjährigen bis zum Erwachsenenalter - darunter ein Drittel deutsche Nichtschwimmer - berichten, von denen drei Viertel am Ende das Jugendschwimmabzeichen »Bronze« für sicheres Schwimmen errangen.
Für den Tübinger Freundeskreis und den AK Asyl Süd waren drei Flüchtlingsbegleiterinnen Sylvia Deiß, Barbara Lutz und Anne-Rose Loindel mit ihren Schützlingen gekommen; dazu Schulsozialarbeiterin Birgit Walker von der Lindenbrunnenschule, Vertreter des »Bündnisses für die Familie«, die Schwimmtrainerinnen Anna Rau von der Lebenshilfe und Julia Bundschuh von der DLRG sowie einige weitere Schwimmtrainer - allen voran Aiham Shalghin, aus Damaskus geflüchteter Jurist und inzwischen Schwimmmeister der Stadtwerke. 
Vor allem aber zeigten vier junge Frauen aus dem Irak, Syrien und der Türkei sowie internationale Gäste vom Sommerkurs der Universität, dass Schwimmenlernen mehr bedeutet als eine sportliche Fertigkeit, die lebenswichtig sein kann: Es bedeutet auch Persönlichkeitsentwicklung und Integration. 
In ihrem Grußwort warnte Caroline Löffler, die Familienbeauftragte der Stadt, vor einem »Nichtschwimmerland Deutschland«. Dagegen müsse man jetzt »die Weichen stellen«. Nicht nur für den Schwimmverein, so dessen Zweiter Vorsitzender Ulrich Fischer, müssen man dem Mangel an Wasserfläche abhelfen, sondern auch im Interesse der Schulen und der privaten Badegäste - und zwar am besten durch ein »Tübinger Bäderkonzept«, wie es eine Initiative jetzt dem Gemeinderat vorgelegt hat.
Ziel ist dabei der Neubau eines »Hallenbads Süd«.

Den begeisterten Schwimmtrainer Aiham Shalghin, der selber aus Syrien geflüchtet ist, macht es »immer wieder glücklich«, wenn er ein Kind den Kurs erfolgreich abschließt und statt der einstigen Angst vor dem Wasser nun »Freude und Stolz« in den Augen leuchten. Annette Widmann-Mauz, die schon einmal Schirmherrin für einen Comedy-Abend zugunsten des Projekts war, zeigte sich beeindruckt und begeistert von der Arbeit der Initiative »Schwimmen für alle Kinder« und ihren vielen Unterstützern.     –mab