TÜBINGEN. Die Visitenkarte der Stadt Tübingen bei der Ankunft mit der Bahn ist nicht besonders schön. Der in den Fünfzigerjahren angelegte Busbahnhof ist ein ziemlich ödes Gelände. Das soll sich nun ändern. Und damit der beschlossene Umbau auch angenommen wird von den Bürgern und von den Gästen, macht die Stadtverwaltung die Baustelle erst mal zur »Schaustelle«, zum Event, zur Kunst vorm Bau. 

Der gerade erst mit beeindruckender Einmütigkeit wiedergewählte Tübinger Baubürgermeister Cordt Soehlke eröffnete am Samstag auf einem Grünstreifen dieses Busbahnhofs eine künstlerische und eine informative Installation, mit der die Stadt ihre Bürger an der Umgestaltung beteiligen und sie »mitnehmen« will, wie der Baubürgermeister und seine Projektleiterin Kathrin Korth das nennen.

Die Informationstafeln zu den Planungen sind eingebettet in ein Kunstwerk, das die junge Dresdner Künstlerin Maria Heidler gemeinsam mit einem Stuttgarter Planungsbüro der beiden Künstler und Architekten Lukasz Lendzinski und Peter Weigand geschaffen hat, das den programmatischen Namen »Umschichten« trägt.

Maria Heidler hat sich mit ihrer multimedial-klanglichen Collage an die »akustische DNA der Stadt« gewagt. Da stehen die gelben Buchstaben Z, O und B für den Funktionsnamen Zentraler Omnibusbahnhof herum und Steine, wie sie einmal als Pflaster dienen sollen. Das Rot-Weiß der dann allerorten nötigen Absperrungen ist zu einer himmelweisenden Holzplastik aufgetürmt. Für die Eröffnung gab es auch noch farblich abgestimmte Luftballons.
Für Cord Soehlke soll die Installation auf der grünen Verkehrsinsel »auch ein Ort für Diskussionen und Begegnungen sein«, bis die eigentlichen Bauarbeiten im kommenden Jahr beginnen. Neben einem funktional aufgewerteten modernen Busbahnhof wird die Umgestaltung des Europaplatzes auch eine neue organische Verbindung zwischen der südlichen Kernstadt um das Zinser-Dreieck, dem Bahnhof plus Busbahnhof sowie einem erweiterten Anlagenpark sein.

»Wir spielen hier Baustelle«, sagt Designer-Architekt Lukasz Lendzinski über sein buntes und wandelbares Projekt, das mit seinem Podest auch als Aufführungsort für alles mögliche Künstlerische und Informative dienen soll. Die eigentlichen Bauarbeiten beginnen nach dem Jahreswechsel mit dem Abriss des Bahnhofsvordachs.     –mab