»Ein Zeitverzug ist das, was man bei einem Sofortprogramm am wenigsten gebrauchen kann«, sagte Boris Palmer mit einer Schaufel in der Hand beim symbolischen Spatenstich. Der Neubau des Kinderhauses im Aischbach markiert den Anfang des Sofortprogramms der Unistadt, das
35 Millionen Euro für den Ausbau der Kinderbetreuung vorsieht. »Es ist eine Reaktion auf den plötzlichen Kindersegen im letzten Jahr- mit einem Kinderzuwachs von 20 Prozent hatten wir nicht gerechnet. Jetzt ist das Kinderhaus Aischbach wohl das interessanteste politische Projekt, das Tübingen im Moment zu bieten hat«, so der Oberbürgermeister.
Damit spielt der Rathauschef auf die Meinungsdifferenzen an, die bei der Diskussion um den Bauplatz aufkamen. Ursprünglich sollte auf dem asphaltierten Sportplatz gebaut werden, der direkt neben der Grundschule liegt.
Daraufhin wurden jedoch von SchülerInnen Proteste laut, der Sportplatz solle erhalten bleiben. Der Bau entsteht nun daneben. »Das Projekt ist dadurch zwar teurer als gedacht, aber da nun mehr Kinder ihren Kita-Platz hier finden sollen, ist es ökonomisch machbar«, erklärte Palmer. Insgesamt 60 Kinder sollen in dem zweistöckigen Holzbau unterkommen. Davon sind 40 Plätze für über Drei- und zwanzig Plätze für unter Dreijährige vorgesehen. Die Stadt rechnet mit Kosten von etwa 3,7 Millionen Euro. »Auch die Grundschule im Aischbach hat sich gegen den Bau auf dem Sportplatz ausgesprochen. So ist nun ein gemeinsames Leben von Grundschule und Kinderhaus garantiert«, äußert sich Schulleiter Claus Sieghörtner.
Insgesamt wurden elf Standorte untersucht, an denen ein Neubau oder eine Erweiterung möglich wäre. »Neben diesem Projekt sind noch Erweiterungen der Kinderhäuser Paula Zundel, Gartenstraße und Sophie-Haug geplant«, erläutert Susanne Huck. »Nach den Unklarheiten über den Standort sind wir alle sehr zufrieden mit dem Bauplatz. Diese sonst unbenutzbare Fläche wird nutzbar gemacht«, so die Architektin. Laut Huck werden die Rohbauarbeiten etwa sechs Wochen in Anspruch nehmen.

Bis Ende April soll das Gebäude stehen, darauf folgt dann der Innenausbau. Bauende ist auf Mitte März 2020 angesetzt. –ras