Themen wie Vergewaltigung oder Pornografie sind laut Sarah Harrer und Florian Schaf Heitle, Berufsschüler aus Rottenburg, in der Schule ein Tabuthema. Daher sei die Ausstellung »echt krass!«, die sich damit beschäftigt, sehr wichtig.

TÜBINGEN. Hände, die einen von allen Seiten am Körper berühren, sind in einer der Kabinen der Ausstellung »echt krass!« im Tübinger Landratsamt zu finden und gehören zum interaktiven Präventionsparcours über sexualisierte Gewalt. Die Ausstellung ist zudem der Einstieg für Schutzkonzepte an Schulen.
Um laut Bernd Hillebrand, Jugendamtsleiter des Landkreises Tübingen, Kinder und Jugendliche altersgerecht für sexuellen Missbrauch zu sensibilisieren und zu informieren. Er erhofft sich zudem die Wirkung, ein offenes Klima zu schaffen, indem Jugendliche sich trauen sich zu öffnen und Hilfe zu holen. Dies soll zusätzlich über Workshops erreicht werden.
»Sexualisierte Gewalt ist ein Tabu in der Schule«
Sarah Harrer (16) ist mit ihrer Berufsschulklasse aus Rottenburg vor Ort und schaut sich zusammen mit Florian Schaf Heitle (17) die verschiedenen Kabinen an, die sich mit Themen wie beispielsweise Vergewaltigung, Pornografie oder dem Internet beschäftigen. An den Außenwänden können Sarah und Florian kurze Hörspiele anhören, Videos ansehen oder Anmachsprüche nach Kategorien einteilen. Für Florian und Sarah ist sexualisierte Gewalt in der Schule ein Tabuthema: »Darüber wird nicht gesprochen.« Deshalb findet die 16-Jährige diese Ausstellung sehr wichtig. Auch um vielleicht zu lernen, wie sie damit umgehen kann, falls etwas passiert.

Missbrauch selten von Fremdtätern
Insgesamt gab es 2017 nach Auskunft des Polizeipräsidiums Reutlingen vierzehn Fälle von sexuellem Missbrauch bei Kindern und einen bei einem Jugendlichen. Die Tatverdächtigen waren zwischen 12 und 21 Jahre alt, manche erwachsen. Nach dem Bundesbeauftragten für Fragen des sexuellen Kindermissbrauchs kommt sexuelle Gewalt am häufigsten innerhalb der engsten Familie sowie im weiteren Verwandten- und Bekanntenkreis durch Nachbarn oder Vereinsmitglieder vor. Sexuelle Übergriffe durch Fremdtäter seien die Ausnahme.

Viele sexistische Ausdrücke im Schulalltag
Für Christina Agner, Sozialarbeiterin an der Berufsschule in Rottenburg, ist dieses Thema aktuell. Während des Schulalltags gebe es sehr viele sexistische Äußerungen und Beleidigungen wie »Schlampe oder Schwuchtel«. Ganz wichtig ist für sie, hinzuhören und die Jugendliche darüber aufzuklären, dass diese Bezeichnungen nicht angemessen sind. Auch möchte sie die Inhalte der Ausstellung mit den Schülern nachbearbeiten. »Es ist wichtig den Jugendlichen zu sagen, dass sie ein Recht auf Hilfe und Schutz haben«, sagte Agner.
Gespräch nach der Ausstellung
Nachdem die Schüler, die Ausstellung angeschaut haben, führten Petra Sartingen von der Initiative für Mädchenarbeit (TIMA) und Armin Krohe-Amann von Pfunzkerle getrennt nach Mädchen und Jungen ein Nachgespräch mit den Berufsschülern durch.
Wichtig ist herbei laut Sartingen, dass die Lehrer währenddessen nicht anwesend sind, damit die Schüler ohne Druck sprechen können.
Bis zum 25. Februar kann die Ausstellung besichtigt werden. Ab März soll mit interessierten Schulen zusammengearbeitet und ein Schutzkonzept nachhaltig implementiert werden. Dessen präventive Intention ist es, vor sexuellem Missbrauch zu schützen, sowie einen respektvollen und grenzachtenden Umgang zu schaffen.
Die Abteilung Jugend des Landratsamtes bietet das Schutzkonzept, mit den Jungendhilfeträgern TIMA, Pfunzkerle und pro familia für Schulen im Landkreis Tübingen an. Die Ausstellung konzipierte das PETZE-Institut für Gewaltprävention gGmbH.