TÜBINGEN. Die Tübinger Tafel hat den offiziellen Einzug in die neuen Räume in der Eisenbahnstraße gefeiert. Bei einem Tag der offenen Tür wurde der Tafelladen der Öffentlichkeit vorgestellt. Gleichzeitig feierte die Tafel ihr 20-jähriges Bestehen.
»Wir wollen die Menschen achten, für sie soll der neue Tafelladen ein Ort der Begegnung unabhängig von Aussehen und Status sein«, erklärte Reinhardt Seibert in seiner Grußansprache zur Einweihung.
Der Erste Vorsitzende der Tübinger Tafel dankte zugleich der Stadt sowie zahlreichen Sponsoren für ihr teils langjähriges Engagement. Die Erste Bürgermeisterin und Schirmherrin, Dr. Christine Arbogast, sagte: »Das ein solch reiches Land wie das unsrige Armutsunterstützung braucht, gibt zu bedenken.« Gleichzeitig appellierte Arbogast an die Solidarität mit den Bedürftigen.
Sie rechnete vor, dass täglich rund 300 Menschen zur Tafel kommen, »das sind 90 bis 100 Haushalte«. Arbogast: »Wir bedanken uns bei allen Ehrenamtlichen für ihre Arbeit.« 
Der Tübinger Bäckermeister Gottfried Gehr war einer der ersten Spender, als die Tafel 1999 eröffnete. Der ehemalige Stadtrat erinnerte bei der Eröffnung des Tafelladens an die Nachkriegszeit: »Das gab es schon einmal, Kinder in Tübingen, die bedürftig sind.« Gehr war damals ein kleiner Junge und seine Familie hatte nur wenig zu essen. Gottfried Esslinger, Zweiter Vorsitzender der Tübinger Tafel, stellte den neuen Tafelladen vor, Planer Martin Schurr von pro.b Projektentwicklung&Projektsteuerung erläuterte technische Details zum Bauprojekt. Auf der Suche nach größeren Räumen war die Tafel zusammen mit dem Team von pro.b vor drei Jahren auf dem ehemaligen Güterbahnhofareal fündig geworden. Im Parterre des Gebäudes Nummer 55 bis 57 sind auf einer Fläche von 270 Quadratmetern helle, freundliche Räume entstanden, die um ein Drittel größer sind, als im ehemaligen Laden in der Katharinenstraße. Es gibt mehr Platz für Kunden und Mitarbeiter. Zugang und Aufenthalt sind barrierefrei. In den Regalen und Theken sind Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Milchprodukte und Backwaren sortiert. Angeliefert wird durch einen separaten Eingang. Zudem ist mehr Raum für die Vorbereitung und Lagerung von Lebensmitteln vorhanden. In der Küche steht eine Kistenspülmaschine. 
Über 80 Lieferanten überlassen der Tafel Lebensmittel, die sonst vernichtet würden. Mehr als 150 Personen arbeiten ausschließlich ehrenamtlich mit. Viele Sponsoren und Spender aus dem privaten und kirchlichen Bereich, sowie Profit- und Non-Profit-Organisationen helfen mit großen und kleinen Spenden, die laufenden Kosten zu finanzieren.
Ein Regelzuschuss aus dem Sozialhaushalt der Stadt Tübingen trägt dazu bei, die Mietkosten zu stemmen. 
Mercedes-Benz sowie die drei Rotary-Clubs in Tübingen und Reutlingen haben im vergangenen Jahr mit einer Großspende die Neuanschaffung eines Sprinters finanziert. Auch bei der Einrichtung des neuen Tafelladens wurden einige Neuanschaffungen durch großzügige Spenden ermöglicht, Sponsoren sind unter anderem Bürgerstiftung, Lions Club Tübingen, Lidl und die Firma Ridi-Leuchten. Vermieterin der gewerblichen Räume ist die Güterbahnhof Wohnbau GmbH & Co.KG Berlin.
Der Verein Tübinger Tafel wurde 1998 gegründet, fünf Jahre nachdem in Berlin der erste Tafelladen eröffnet worden war. 
Aktuell hat die Tübinger Tafel über 700 registrierte Bedarfsgemeinschaften mit rund 1700 bedürftigen Personen aus der Stadt und dem Umland. 48 Prozent davon sind Kinder. Bedürftige können sich gegen eine Schutzgebühr von zwei Euro pro Person jeweils einmal wöchentlich mit den gesammelten Lebensmitteln versorgen. Kinder bezahlen nichts.     –jos