TÜBINGEN. Trump weiß es nicht - die meisten Politiker hoffentlich schon: Diplomatie ist wichtig. Und manchmal ist es gar nicht so einfach, die eigenen Interessen in aller Form durchzusetzen und so gemeinsam zu Resolutionen zu kommen. Dies erfahren aktuell Studierende der Universität Tübingen, die sich auf »National Model United Nations« im März in New York vorbereiten. Jährlich reisen etwa 5 000 Studenten aus aller Welt in die Metropole, um die Vereinten Nationen bei einer Simulation kennen zu lernen. Die Tübinger Studenten stellen dieses Jahr die Delegation aus den Philippinen, was von allen eine gründliche Einarbeitung in die dortigen politischen Verhältnisse erforderlich macht.

Welt unter einen Hut bringen
Zur Vorbereitung findet in der Uni Tübingen eine Simulation statt, an der auch Studierende aus Hohenheim und Heidelberg teilnehmen. »Eigentlich schreibe ich gerade meine Masterarbeit«, sagt Lukas Kohmann. Dass das Schreiben an der großen Arbeit sich ein Stück weit hinauszögert, nimmt der 28-Jährige für die Vorbereitungen der UNO-Planspiele aber gern in Kauf. »Ich studiere Medienwissenschaften und habe so die Möglichkeit, auch mal etwas in die Politik reinzuschnuppern«. Für Roberta Walser, die Politik und Jura studiert, ist die Teilnahme an NMUN eine sinnvolle Ergänzung zum eher theorielastigen Studium, in dem sie sich aber schon in Seminaren mit dem politischen System der UN ausgiebig auseinandergesetzt hat. Nicht alle Kosten, die durch die Teilnahme entstehen, werden durch Sponsoren gedeckt - »es ist schon ein teurer Spaß«, gibt Walser zu. Den Flug, die Kleidung und die Unterkunft müssen die Studenten selbst tragen - doch es lohnt sich, die Vorstellungen von der Arbeit in der UN werden realistischer: »Man diskutiert immer so viel darüber, was in der UNO alles nicht funktioniert – aber als Delegierter ist man immer gezwungen, sich in einem gewissen Rahmen zu unterhalten und dabei muss man trotzdem die Interessen eines ganzen Landes vertreten«, so Walser. Man merke, dass Kompromisse notwendig sind und es schwierig ist, eine Resolution auf die Beine zu stellen, durch die sich alle Delegierten einigermaßen vertreten fühlen. »Man versucht die ganze Welt unter einen Hut zu bekommen«, so Kohmann - die Studenten übernehmen die aktuellen Themen, die auch auf der Agenda der UNO stehen, der Ablauf ist streng geplant, die Formalitäten werden möglichst originalgetreu übernommen.

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Special Departments
Für die Organisation sind vier eigens unter den Teilnehmern gewählte Departments verantwortlich - für die Pressearbeit, die Organisation des eigentlichen NMUN, das Fundraising und klar - auch das Partydepartment darf nicht fehlen. Rebecca Mayer ist drei bis vier Stunden die Woche damit beschäftigt, etwa Kontakte zu den Medien aufrecht zu erhalten und die Facebook-Seite zu pflegen. Und dann geht es erstmal los in der ehrwürdigen Aula der Universität. 45 Minuten dauert das Rederecht der Delegierten pro Thema - gesprochen wird natürlich in fließendem Englisch, auch rhetorisch zeigen die Studenten, was sie drauf haben - der Aufwand hat sichschon jetzt gelohnt.     -shi