TÜBINGEN. Viele E-Mails habe er bekommen, von »seltenen Besitzern«. Gemeint waren die knapp 100 E-Mobilisten im Tübinger Stadtgebiet, die sich, so Oberbürgermeister Boris Palmer, immer wieder bei ihm über nicht ausreichende Strom-Lademöglichkeiten beschwert hatten. Das wird sich bald ändern.

Liebhaberei und Investition
Bis Ende 2019 installieren die Stadtwerke im Netzgebiet zwischen Bebenhausen, Kliniken, Lustnau und Derendingen an 19 neuen Stationen 44 Ladepunkte.
Ein Geschäftsmodell, mit dem sich Geld verdienen lasse, kann der OB in dem Lade-Angebot nicht erkennen. »Es ist eher Liebhaberei, aber eine Investition in die mobile Zukunft«, betonte Palmer beim Pressegespräch an der Station am Freibad. Gelegen komme dabei die Förderung durch Bundesmittel. Denn von den rund eine halbe Million Euro, die die Ladestationen kosten, übernimmt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) zwischen 35 und 40 Prozent.

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Anreize für E-Mobilität
Ortwin Wiebecke, Geschäftsführer der Stadtwerke Tübingen, erklärte: »Innerhalb kurzer Zeit bauen wir die Lade-Infrastruktur massiv aus. Damit investieren wir in die häufig öffentlich geforderte Infrastruktur und schaffen Anreize, in die E-Mobilität einzusteigen.«
Das Tanken an den Ladestationen sei erstmal kostenfrei, so Wiebecke. Die Stadtwerke arbeiten derzeit am Aufbau eines Bezahlsystems mit fairen Zeittarifen. Die Abrechnung per Zeittarif soll die Autofahrer motivieren, den E-Lade-Parkplatz nach dem Ladevorgang wieder frei zu geben. Derzeit genügt es, den QR-Code auf der Ladesäule mit dem Smartphone zu scannen, um die Ladekabel mit dem gängigsten Standard Typ 2-Stecker zu entriegeln. Die Stadtwerke arbeiten an einer swt-Lade-App, die das Stromtanken noch einfacher und komfortabler machen soll. 
Mit dem Ausbau des Elektro-Ladesystems ist für Palmer das Tankproblem in Tübingen gelöst. »Fehlende Infrastruktur ist jetzt kein Argument mehr gegen E-Autos«, machte er klar und hofft darauf, dass deren Zahl zunimmt. Doch er meldete zugleich Skepsis an: »Niemand weiß genau, wie es mit dieser Technologie weitergeht.« Der Oberbürgermeister favorisiert ohnehin die andere Alternative. »E-Mobilität wird auf lange Sicht zwei und nicht vier Räder haben«, meinte er.