Zwei Wohnblöcke in dem neuen Tübinger Stadtquartier »Alter Güterbahnhof« beweisen, dass sich erschwingliche Mieten und eine gesellschaftliche sowie ökologische Verantwortung nicht ausschließen müssen. In der Universitätsstadt Tübingen ist der angespannte Wohnungsmarkt mittlerweile genauso stark zu spüren, wie in den Metropolen der Republik. Dass das Immobilienangebot in der 88 000 Einwohner großen Stadt knapp ist, zeigt die Reaktion auf eine Online-Anzeige für Mietwohnungen in dem neuen Stadtquartier am »Alten Güterbahnhof«: 
1 000 Anfragen gab es in nur wenigen Tagen. »Die Wohnungen gingen weg wie warme Semmeln«, sagt Andreas Stahl, Geschäftsführer des zuständigen Projektentwicklungs- und Planungsbüro pro.b.
Wo ehemals Güterzüge rangierten, hat die UmweltProjekt AG, eine hundertprozentige Tochter der UmweltBank, gemeinsam mit pro.b zwei von insgesamt sechs Wohnhöfen realisiert. Sie bieten Platz für 157 Wohnungen und zehn Gewerbeeinheiten auf knapp 1 500 Quadratmetern Nutzfläche. Kostenpunkt: 41 Millionen Euro. Zu diesem Zweck gründeten die beiden Partner eine eigene GmbH und Co.KG, die Güterbahnhof Wohnungsbau. Sie vermietet und verwaltet die Wohnungen. Mit 94 Prozent hält die UmweltProjekt AG den größten Anteil an der Güterbahnhof Wohnungsbau GmbH und Co.KG, den Rest hält pro.b. 
Günstige Mieten

Das Besondere an den 157 Wohnungen auf dem Geländes des ehemaligen Güterbahnhofs: 60 Prozent der Wohnungen sind für Inhaber eines Wohnberechtigungsscheins reserviert. Im Hof 1 wurden  43,  im Hof 6 wurden  50 Wohnungen staatlich gefördert.  Elf Euro beträgt die durchschnittliche Kaltmiete pro Quadratmeter derzeit in Tübingen. Es werden aber auch 15 Euro und mehr bezahlt. Die Güterbahnhof Wohnungsbau GmbH und Co.KG hingegen vermietet die Sozialwohnungen dagegen zwischen 7,20 und 7,80 Euro. Sie hat sich außerdem verpflichtet, die zugesagte Mietpreisbindung von den vorgeschriebenen zehn auf 25 Jahre auszudehnen.

Die frei finanzierten Wohnungen bewegen sich ebenfalls zum Teil deutlich unter dem Niveau des Mietpreisspiegels.   Diese wurden zu je einem Drittel an studentische Familien, Alleinerziehende und Arbeitssuchende vermietet. Insgesamt wurden 157 Wohnungen   auf den Höfen 1 und  6  gebaut.Beste Verkehrsanbindung
Die Lage der Wohnungen zwischen Süd- und Altstadt ist attraktiv: Bewohner erreichen zu Fuß oder mit dem Rad in nur wenigen Minuten Fußgängerzone, Universität, Bahnhof und Neckar. Der Bus hält quasi vor der Tür, eine Haltestelle für die geplante Regionalstadtbahn ist vorgesehen. Das spart Autofahrten. 
Die hochwertige Bauweise ist sowohl für die Sozialwohnungen als auch für die frei vermieteten Wohnungen gleich. Sie sind zwischen 49 und 124 Quadratmeter groß und haben einen großzügigen, offenen Wohn-Essbereich sowie einen geräumigen Freibereich als Loggia, Balkon oder Terrasse. Sie verfügen über eine Einbauküche, Fußbodenheizung und Parkettböden. Allen sind ein Kellerabteil und zwei Fahrradstellplätze zugeordnet. In den Tiefgaragen kommen rund 250 Autos unter. 
Die Wohnungen und separaten Räume für Rollstühle, Kinderwagen und Fahrräder sind barrierefrei von der Straße und der hofeigenen Tiefgarage aus zu erreichen. In jedem der Wohnhöfe des neuen Stadtquartiers gibt es einen zentralen Platz für die Gemeinschaft, mit Brunnen und Kinderspielplatz als Ort der Erholung und Begegnung – einladend und jetzt schon lebhaft. Bei den zehn Flächen für Gewerbe und Dienstleistung setzt sich der soziale Charakter des Konzepts fort: Die »Tübinger Tafel«, das »Zentrum für Gemeindepsychiatrie« und der »Freundeskreis Mensch« bezogen dort unter anderem Quartier. Auch sie zahlen weniger Miete als sonst üblich. 
Das Bauvorhaben wird  neben den sozialen auch  den ökologischen Ansprüchen der UmweltProjekt AG gerecht: Alle Wohnungen entsprechen dem KfW-40-Energiestandard. Sie benötigen nur 40 Prozent der Energie eines vergleichbaren Bestandsgebäudes. Das schont die Geldbeutel der Mieter und spart natürliche Ressourcen.  »Sozialer Wohnungsbau in einer derartig hochwertigen und energieeffizienten Ausstattung ist einzigartig. Das hat uns dazu bewegt, als Gesellschafterin am Bau von neuem, bezahlbarem Wohnraum in Tübingen mitzuwirken«, erklärt UmweltProjekt- AG-Vorstand Beate Klemm. 
Dadurch, dass bei  beiden Hofprojekten  bis zu fünf  verschiedene Architekten beauftragt wurden, konnte die aufgelockerte Bebauung erreicht  werden. 
Das gesamte Projekt realisierten »büro 1.0« und »planbar3« aus Berlin, »pro.b Architektur« und »Ackermann+Raff« aus Tübingen sowie »SESA« Schilling Escher Steinhilber Architekten aus Stuttgart.                                           -tw

Fotostrecke 3 Fotos