TÜBINGEN. Was möchte ich nach dem Abitur machen? Medizin? Philosophie? Geschichte? An einem Tag im Jahr haben Schüler die Chance einmal Uniluft zu schnuppern.Eine Reise in die Zukunft beginnt. Erfahren sollen die angehenden Schulabgänger schließlich, dass jeder noch so wichtige Fakt sitzen sollte. Hier geht es nämlich um mehr als nur das Lernen für die Eltern und Lehrer. Hier geht es um die eigene Zukunft.
Die Reise beginnt am stadteigenen Bahnhof. Außenstehende fragen sich vielleicht, warum hier so viel los ist. Wer den Gesprächen lauscht, vernimmt Fragen wie: Welchen Studiengang möchtest du dir anschauen? Ein reges Durcheinander herrscht auf dem Bahnsteig und als der Zug den Bahnsteig anfährt, überkommt den Ein oder Anderen ein großer Schrecken. Die Zugabteile sind proppenvoll.
Die Ansage des Schaffners »Unser nächster Halt: Tübingen«,ist da beinahe eine Erlösung. Die Universitätsstadt weiß mittlerweile, wie sie mit den großen Menschenmengen umzugehen hat und stellt jedes Jahr eine Buslinie kostenlos zur Verfügung. Voll ist es noch immer, betritt man den Vortragsraum für die Informationsveranstaltung über BAföG, Auslandssemester und Co.. Die Vortragenden werfen nur so mit Zahlen um sich und schnell ist klar: Studieren ist nicht billig.
Schon etwas eingeschüchtert, geht es weiter zu den verschiedenen Vorträgen, die in einem dicken Programmheft aufgelistet sind. Da sollte man sich zumindest im Groben schon sicher sein, in welche Richtung es nach der Schule geht. Der optimale Vortrag um einen Einblick zu erhaschen könnte beispielsweise das Deutsche oder Englische Seminar sein. Die vortragenden Professoren geben hier einen Überblick über alle Studiengänge, die etwas mit Deutsch oder Englisch zu tun haben. Von Germanistik und Anglistik über das Lehramt, hin zu den Sprachwissenschaften und der Computerlinguistik. Die unzähligen Wahlmöglichkeiten werden wiedereinmal bewusst und damit die verschiedenen Richtungen, die das Leben in der Zukunft nehmen kann. Das ist schon beinahe wie beim Katapultschießen: einmal Zukunft und zurück. Doch schon nach der Mittagspause sind die Köpfe ein wenig klarer. Das möchte ich einmal machen oder das kommt für mich auf keinen Fall in Frage - in der Diskussion am Mittagstisch scheiden sich die Geister. Die Einen interessiert dann doch die Medizin, die Anderen vielleicht die Philosophie. Vieles haben die Schüler erfahren und begeben sich mit dem neu gewonnenen Wissen zurück in Richtung der Hörsäle, wo nun die zwei- bis sogar dreistündigen Vorlesungen stattfinden. Gemeinsam mit den Studenten kann man sich beispielsweise in einem Geschichtsvortrag berieseln lassen. Die Kernfrage der Stunde: »Aufklärung - eine europäische Meistererzählung?« Einiges weiß man darüber aus der Schule, müsste also kein Problem sein. Schon mit der ersten Folie sind sich Einige nichtmehr so sicher. Von Spinoza und Berkeley, bis hin zu Smith – alles Namen, die man kennen muss. Nach rund einer halben Stunde kann man dem Vortrag schon nichtmehr ganz folgen und ist froh, als eine Pause ansteht. Auf geht’s zur nächsten Vorlesung.
Einige Stunden und Vorlesungen später brummt der Kopf. Der Studientag scheint jedoch Einiges wert zu sein. Auf der Zugfahrt zurück heißt es nämlich: »Germanistik ist genau das Richtige. Ich möchte schließlich später einmal Journalist werden. Da stehen die Berufschancen gar nicht so schlecht.«
Aus einer ungewissen Zukunft sind schlussendlich richtige Visionen geworden und die Angst nach dem Abitur mit nichts als einem Zeugniszettel in der Hand dazustehen ist der Vorfreude auf die Möglichkeit gewichen, endlich das zu tun, was man schon immer machen wollte.                          -nina