Die Stadt setzt sich weiterhin für den Stadtteiltreff ein. Dies betonte Oberbürgermeister Boris Palmer bei der Eröffnung des Quartiersplatzes in der Corrensstraße.
Zahlreiche Gäste und Nachbarn waren gekommen, um in sommerlicher Stimmung bei Kuchen und Getränken die Eröffnung des neuen Quartiersplatzes zu feiern. Der OB dankte den Bürgerinitiativen, die sich für den Treff stark gemacht hatten, für ihre Arbeit und ihr Engagement. Doch er kam schnell zur Sache. Abermals warf er der baden-württembergischen Versorgungsanstalt für Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte (VA) als Eigentümerin der neuen Wohnanlage vor, dass sie dort keinen Stadtteiltreff zulasse. »Die Stadt will weiterhin den Stadtteiltreff«, erklärte er. Um die Forderung zu bekräftigen, entrollte Palmer das rote Transparent mit der Aufschrift »Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Gilt auch für Ärztekassen«, das er vor kurzem schon am Rathaus aufhängen ließ. Sodann skizzierte der OB noch einmal den Werdegang des Projekts. Die Stadt habe die Wissenschaftsbrache vom Land kaufen wollen, um sie selbst entwickeln zu können. 
Doch die HKPE Hofkammer Projektentwicklung habe höher geboten und gemäß Landesbauordnung den Zuschlag erhalten. Die Hofkammer errichtete 77 Wohneinheiten, zwölf davon sind Wohnungen mit Sozialbindung. Zwischen der Stadt und der Hofkammer habe es Vereinbarungen hinsichtlich eines Stadtteiltreffs gegeben, doch dann habe die VA die Immobilie gekauft und sich an nichts gebunden gefühlt, so der OB. Die VA sei zu keinem Kompromiss bei den Öffnungszeiten bereit gewesen. Sie argumentiere, dass der soziale Treffpunkt im Quartier zu wirtschaftlichen Einbußen wegen mutmaßlich zu erwartenden Ruhestörungen für Mieter führe. »Die VA hat mit dem Argument der Wirtschaftlichkeit die soziale Entwicklung beschädigt«, sagte Palmer. »Sie ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und kann sich so etwas nicht erlauben.«
Die VA teilte dem WOCHENBLATT auf Anfrage mit, von dem Wunsch der Stadt, im Erdgeschoss der Wohnanlage einen Stadtteiltreff einzurichten, erst durch die Presseveröffentlichung über eine Ausschusssitzung des Gemeinderats Anfang November 2018 erfahren zu haben. »Erst Ende November 2018 kamen Gespräche über eine gewünschte Anmietung zwischen der Stadt und der VA zustande. Die VA hat sich von Beginn der Gespräche an dafür engagiert, eine für alle Beteiligten adäquate Lösung zu finden. Sie erklärte sich bereit, mit der Stadt grundsätzlich über eine Vermietung als Stadtteiltreff zu sprechen.« Die VA sei dabei der Stadt bei der Frage der Öffnungszeiten entgegengekommen, sie entsprächen weitestgehend denen der bereits bestehenden Tübinger Stadtteiltreffs. »Die VA hat sich intensiv um einen Kompromiss bemüht. 
Doch nachdem die Gespräche wegen der Maximalforderungen des OB gescheitert waren, gab es keine Möglichkeit für weitere Verhandlungen. Die VA war daher gegenüber ihren Mitgliedern verpflichtet, das Bauprojekt gemäß der Baugenehmigung abzuschließen und den Vermietungsprozess in Gang zu setzen. Damit sind die baulichen Voraussetzungen für eine Nutzung als Stadtteiltreff nicht mehr gegeben«, sagte VA-Präsidentin Eva Hemberger gestern.
Die Vertreter des Stadtteiltreffs, Beate Kolb und Albert Petersen, berichteten von den Anfängen ihrer Bürgerinitiative: »Es war ein euphorischer Aufbruch, und wir wünschen uns, dass der neue Quartiersplatz gut angenommen wird.« Die Hoffnung auf Räumlichkeiten für den Stadtteiltreff haben sie noch nicht aufgegeben.                 -jos