TÜBINGEN. Wohnen in der Gemeinschaft ist ein gutes Konzept für den Wohnungsbau. Darüber sind sich Marc Amann, Vertreter des Konzepts »Neustart Tübingen«, Gunnar Laufer-Stark, Vorstand der Nestbau AG und Baubürgermeister Cord Soehlke einig. Sie sprachen auf der Veranstaltungsreihe »Wie sozial ist das »soziale« Tübingen?« des Tübinger Arbeitslosen-Treffs e.V. in der Hirsch Begegnungsstätte. 
Nach Soehlke sollte das Konzept den Wunsch nach bezahlbaren Eigentumswohnungen beachten. »Nur gemeinschaftlich genutzte Wohnungen anzubieten, wäre ein extremer Kontrollmechanismus«, erläuterte er. Das Ziel sei immer eine Stadt für alle zu kreieren.

Gemeinsam Leben
Diese Vielfalt spiegelt sich bei »Neustart Tübingen« wieder. Die Idee ist, eine Nachbarschaft mit 500 Personen aus allen Schichten zu gründen.
Diese soll genossenschaftlich organisiert sein und die soziale Infrastruktur des täglichen Lebens beinhalten. »Es ist wie ein großes ökologisches Dorf«, sagte Amann.
Statt einer Werkstatt in jedem Haus, gebe es eine für alle. Durch die gemeinsame Nutzung, vermindert sich die Privatfläche, aber die Kosten sinken und der Kontakt zu anderen steigt. Auch Kindergärten und Pflege für Ältere wären vorhanden. Das Gemeinschaftseigentum sollen die Bewohner selbst regeln, es werde aber nie verkauft.
Soehlke schätzte das Konzept, sieht aber ein Problem: »Wir möchten verschiedenen Akteuren die Möglichkeit geben ein Stadtviertel zu gestalten.«
Ein anderer möglicher Akteur wäre Laufer-Stark mit seiner Nestbau AG. Eine Aktiengesellschaft, in die Menschen mit ihrem Geld in den Wohnungsbau investieren können. »Dadurch profitiert die gesamte Bevölkerung«, so der Vorstand. Zwar sei weniger Platz für den Einzelnen vorhanden, weil Büros oder Gästezimmer von den Bewohnern zusammen genutzt werden. Aber die Mietpreise liegen unter dem Mietspiegel. Dadurch könne das Problem fehlender bezahlbarere Wohnungen vermindert werden.

Zuschuss von der Stadt
Solche Projekte zu unterstützen sieht Soehlke als einen guten Ansatz für die Wohnungsnot. Ein weiterer wäre eine Belegungsbindung an Bestandswohnungen. Vermieter, die ihre leer stehende Wohnung für 30 Jahre sozial gebunden vermieten, werden vom Land mit bis zu 700 Euro und von der Stadt mit bis zu 240 Euro pro Quadratmeter bezuschusst, so der Baubürgermeister. Auch nicht gebrauchten Wohnraum zu aktivieren, indem Grundstücke von der Stadt aufgekauft und preislimitiert wiederverkauft werden, sieht er als einen möglichen Ansatz. Fabian Everding, Mitglied des Tübinger Arbeitslosen Treffs e.V. moderierte die Veranstaltung, zu der knapp 50 Menschen kamen.     –tami