TÜBINGEN. Eine positive Bilanz zogen die Leiterin des Stadtmuseums, Wiebke Ratzeburg sowie deren Stellvertreterin Dr. Evamarie Blattner im Rückblick auf das vergangene Jahr. Bei der Jahrespressekonferenz sagte Dr. Daniela Harsch, Bürgermeisterin für Soziales, Ordnung und Kultur: »Das Stadtmuseum ist eine tolle Einrichtung mit einer tollen Bandbreite der städtischen Geschichte.«

Über 40 000 Besucher 
»Seit der Einführung des freien Eintritts im April 2018 haben sich die Besucherzahlen nahezu verdoppelt«, erklärte Ratzeburg, »und zwar von rund 23 000 im Jahr 2017 auf über 40 000 im letzten Jahr«. Allein im gerade zu Ende gegangenen Januar seien 5 000 Besucher ins Stadtmuseum gekommen. »Diese Ergebnisse sind für uns eine große Motivation«, so die Leiterin. 
Wichtige Voraussetzungen wurden geschaffen, sodass die Museumsarbeit erfolgreich weitergeführt werden konnte. So ist die Stelle der wissenschaftlichen Sammlungsbetreuung dauerhaft besetzt worden, das Drittmittelprojekt Provenienzforschung wird weitergeführt. Zahlreiche, teils neue Angebote in der Museumspädagogik wie Ferienprogramme für Kinder, Museumsvilla, Gartenprojekt, Familiencafé, Skulpturenworkshop, mobile Spiele und mehr als 100 Kindergeburtstage im Museum konnten realisiert werden.
Ratzeburg stellte das Jahresprogramm mit dem Leitmotiv »100 Jahre Frauenwahlrecht vor. Unter dem Titel »Frauen Stimmen. In 100 Jahren vom Wahlrecht zur Frauenquote« zeigt das Stadtmuseum vom 20. Januar bis 29. September eine Treppenhausausstellung. Während der Dauer kommen aktuelle Stadträtinnen und Frauen zu Wort, die aktiv in die Gestaltung der Tübinger Gesellschaft involviert sind oder waren. Vom 9. Februar bis 16. Juni ist die Ausstellung »abgestaubt! - Museumsschätze erzählen Geschichten« zu sehen.
Das Stadtmuseum stellt erstmals seine eigene Sammlung ins Zentrum der Aufmerksamkeit und schaut kritisch auf seine eigene Geschichte zurück. Anlass für diese Rückschau ist die seit vier Jahren am Museum betriebene Provenienzforschung und die Suche nach NS-verfolgungsbedingter Raubkunst in der Städtischen Sammlung. »Von den
50 000 Objekten sind derzeit
9 920 auf ihre Provenienz hin geprüft worden, darunter sind
7 089 verdachtsfrei«, erläuterte Ratzeburg.
Es folgen die Ausstellungen »Die Buchhandlung Gastl. Zwei Frauen und das Tübinger Geistesleben der 1950er- bis 1980er-Jahre vom 29. Juni bis 3. November, »Tübinger Töchter - Studentinnen an der Tübinger Universität im 20. Jahrhundert vom 29. Juni bis 3. November, »Neuanfang?! Kunst und Kulturpolitik der 50er-Jahre in Tübingen vom 16. November bis März 2020, sowie die Schau »Kunst im Dialog mit dem Stadtmuseum - Frauenbilder«, die am 15. November eröffnet wird. Dr. Evamarie Blattner bezeichnete die 50er-Jahre als »spannendes Jahrzehnt« und zugleich als Neuanfang. »Hier waren Otto Dix und Wilhelm Lehmbruck mit Ausstellungen vertreten, eine lebendige Kultur begann sich in Tübingen zu etablieren, das wollen wir zeigen«, sagte sie.
Im Dezember widmet sich eine weitere Ausstellung den Weihnachtsbräuchen in Durham anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft mit Tübingen.
Das Stadtmuseum will künftig die museumspädagogischen Angebote erweitern, zudem soll, noch in diesem Jahr, das Foyer umgebaut werden.    –jos