TÜBINGEN. Bis Ende 2022 muss der öffentliche Personennahverkehr barrierefrei sein, so schreibt es das im vergangenen Jahr geänderte Personenbeförderungsgesetz vor. Tübingen hat schnell reagiert, die Umbauarbeiten an den Bushaltestellen haben Fahrt aufgenommen: Schon bis Ende Dezember sollen 160 der derzeit 413 Haltepunkte im Stadtgebiet den neuen Anforderungen entsprechen. »Dafür genügt oft der Einbau abgerundeter Randsteine, sogenannter Sonderbords, andere Haltebuchten müssen aber auch rückgebaut oder ganz verlegt werden, damit Menschen mit Gehbehinderung gefahrlos ein- und aussteigen können«, sagte Tiefbau-Chef Albert Füger bei einem Ortstermin an der Haltestelle Feuerhägle in Derendingen.

Bordsteine angehoben
Sie ist eine von 30, die in diesem Jahr angepasst wurden. Zusammen mit Hans-Jürgen Schnaidt vom städtischen Fachbereich Tiefbau sowie Lars Hilscher von der Abteilung TüBus der Stadtwerke Tübingen informierte er über die vor kurzem abgeschlossenen Bauarbeiten. Schnaidt erklärte: »Die weiß markierten Bordsteine wurden auf 18 Zentimeter angehoben, wie überall im Stadtgebiet. Sie sind rutschfest und geben somit mehr Sicherheit.« Im Feuerhägle musste die Haltestelle um drei Meter nach hinten verlegt werden, wodurch der gesamte Einmündungsbereich der Primus-Truber-Straße entschärft wird. Zudem ist die Straßenbeleuchtung versetzt und auf LED umgerüstet worden. »Die Busse können nun gerade anfahren, bei einer Fahrzeuglänge von bis zu 20 Metern brauchen sie dazu Platz«, sagte Hilscher. Idealerweise kommen sie dann so zum Stehen, dass sich Reifen und Bordstein berühren. Auch dies schaffe mehr Sicherheit, zumal wenn man bedenke, dass sich ein Bus an jedem Haltepunkt nur circa 20 Sekunden aufhalte, so Hilscher. »Damit die Busfahrer mit den neuen Gegebenheiten klarkommen, werden sie eigens geschult.«

Zuschüsse vom Bund
Da die herkömmlichen Busbuchten für barrierefreie Zugänge nicht geeignet sind, werden sie im Stadtgebiet künftig nur noch da anzutreffen sein, wo Umrüstungen verkehrstechnischen Gründen entgegenstehen. Umgebaut werden derzeit drei weitere Haltestellen auf dem Viehweidle und in der Engelfriedshalde. Eine einzige Umrüstung kostet je nach Umfang zwischen
12 000 und 40 000 Euro. »Wir haben uns schwergetan, das ganze Geld auszugeben«, sagte Füger angesichts der guten finanziellen Projektausstattung. Immerhin hat die Universitätsstadt Tübingen im laufenden Jahr rund 600 000 Euro in den barrierefreien Umbau von Haltestellen investiert. Es gab Zuschüsse des Bundes aus dem Kommunalinvestitionsförderungsgesetz in Höhe von rund 307 000 Euro sowie vom Land in Höhe von 100 000 Euro. 2019 plant die Stadtverwaltung für den Umbau von 20 weiteren Haltestellen Ausgaben von
300 000 Euro ein.     –jos