BEBENHAUSEN. Die Reformation breitete sich weit über Wittenberg hinaus aus: Auch in Württemberg kamen mit dem neuen Glauben große Veränderungen für die Menschen ins kleine Herzogtum - vor allem für die Klöster. Die Ausstellung »Freiheit - Wahrheit - Evangelium. Reformation in Württemberg«, ab dem 15. September in Kloster Bebenhausen zu sehen, entführt Besucherinnen und Besucher in die Welt um 1534 - am Originalschauplatz! Für das große Ausstellungsprojekt mit einzigartigen Zeitzeugnissen arbeiten die staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg mit dem Landesarchiv Baden-Württemberg zusammen. 

Bebenhausens Geschichte
vor Ort präsentiert

Das Kloster Bebenhausen war reich – seine Ländereien reichten von Ludwigsburg bis auf die Schwäbische Alb und an die Grenzen des Schwarzwaldes. Und neben Land hatte es viel Geld: Kein Wunder, dass Abt Johann von Fridingen alles versuchte, am alten Glauben und den bewährten Strukturen festzuhalten. Aber er konnte die neue Bewegung nicht aufhalten. Als Herzog Ulrich mit der Reformation der Klöster begann, schaffte er kurzerhand Wertsachen und die wichtigsten Dokumente ins Ausland. Bis zu seinem Tod 1534 hielt er den Konvent zusammen. Gleich danach spaltete sich das Kloster in zwei Lager, in das der »alten« und »neuen« Christen, dokumentiert in einem Schriftstück, das sich erhalten hat - und in der Ausstellung zu sehen sein wird.

Hin und her der Reformation
1535 kam mit der neuen »Closterordnung« des Herzogs die Reformation: Man verbot Messe, Beichte, schaffte das Schweigegebot ab und verbot die Aufnahme von Novizen. Die Mönche erhielten eine Abfindung oder eine Stelle im neuen evangelischen Kirchendienst. Zu Anfang war die Entwicklung der Reformation überraschend instabil, was sich bereits 1547 zeigte. Nach der Niederlage der protestantischen Fürsten im Schmalkaldischen Krieg musste der Herzog zulassen, dass die Mönche zurückkehrten. Allerdings hatte man die Klöster inzwischen leer geräumt und in Bebenhausen sogar einen Teil der Klosterkirche abgerissen; die Steine wurden für den Tübinger Schlossbau benötigt. Bereits 1555 endete dieses katholische »Interim« wieder und Bebenhausen wurde Klosterschule.

Stücke aus Bebenhausen
kehren zurück

Die Ausstellung in Bebenhausen nimmt die Besucher mit auf eine Reise in stürmische Zeiten. Ab Mitte September werden Stücke gezeigt, die einst zur Ausstattung gehörten: etwa eine Reliquie, die im katholischen Kloster von höchster Bedeutung war. In einem rot ausgeschlagenen Kästchen verbirgt sich ein Pfeil, der Legende nach eines der Marterinstrumente des heiligen Sebastian. 

Ausstellung mit vier
Standorten im Land

Zentraler Standort der Ausstellung über die ersten Jahrzehnte der Reformation ist Stuttgart; in den ehemaligen Klöstern Maulbronn, Alpirsbach und Bebenhausen befassen sich jeweils Teile der Ausstellung mit der Geschichte jener Jahrzehnte direkt am Schauplatz der Ereignisse. Im einstigen Zisterzienserkloster Bebenhausen ist das Material besonders vielfältig - kein Wunder, war Bebenhausen doch am Ende des 15. Jahrhunderts das reichste Kloster im Herzogtum. Und nun drohte die Auflösung. Die Ausstellung in Bebenhausen gewährt mit kostbaren Schriftstücken, Reliquien und liturgischem Gerät tiefe Einblicke in die Vorgänge rund um die Reformation.
Die Ausstellung verfolgt nicht nur den Siegeszug des Neuen, sondern zeigt auch, was die Veränderung für diejenigen bedeutete, die beim alten Glauben bleiben wollten. In jedem der beteiligten Klöster Maulbronn, Alpirsbach und Bebenhausen werden die jeweiligen Auswirkungen, Spuren und Zeugnisse der stürmischen Ereignisse gezeigt.

Gut aufbereitet
Jede der einzelnen Geschichten ist anders, keine von ihnen ohne Dramatik, allesamt einzigartig überliefert und auch für Laien gut verständlich aufbereitet. Der zentrale Standort in Stuttgart bietet die umfassende Einführung und gesamte Geschichte.
Damit man alle Aspekte sehen und alle Schauplätze besuchen kann, wird eine Kombikarte angeboten, die den Eintritt in alle vier Ausstellungsteile gewährt. Zu Ende geht die Schau überall am 19. Januar 2018.     –rw