TÜBINGEN. Blickt man zurück auf das vergangene Jahr, so kann man ganz unterschiedliche Schlüsse für die Zukunft ziehen – dies stellte sich auch beim Neujahrsempfang der SPD in der Uhlandhalle heraus. Man könnte etwa einfach nur froh sein, dass es vorbei ist – so wie die SPD-Kreisvorsitzende Dorothea Kliche-Behnke: »Das Beste am neuen Jahr ist, dass es endlich vorbei ist.« Die Politikerin hadert mit den vergangenen Ereignissen nicht nur in Deutschland – sondern auch weltweit. Die Wahl des Donald Trump zum neuen US-Präsidenten sei als Beispiel genannt, allerspätestens während der Flüchtlingskrise dürfte den meisten Politikern klar geworden sein, dass globale Probleme alle Menschen betreffen und gemeinsam an deren Lösung gearbeitet werden muss. Doch immerhin – die Partei habe ja 50 Neueintritte verzeichnet und die Gesellschaft interessiere sich im Allgemeinen doch wieder vermehrt für Politik – kleine Hoffnungsschimmer, die Kliche-Behnke in der Uhlandhalle aufzählen konnte.

Hoffnung für Tübingen
Auch die Erste Bürgermeisterin Christine Arbogast drückte Besorgnis in Hinblick auf die politischen Entwicklungen des vergangenen Jahres aus – das Landtags-Wahlergebnis war, dies steht wohl außer Frage, für die SPD erschütternd. Wo Probleme sind, wird aber auch nach Lösungen gesucht – und das ist bei der SPD auch so. Denn schließlich kamen die Zuhörer auch, um neue Vorschläge der Partei zu hören – die Gastrednerin aus Trier wollte es gerne versuchen. Katarina Barley, Generalsekretärin der Bundes-SPD, hatte sich offenbar vorgenommen, den Tübingern an diesem Abend Mut zu machen.

Grüne bevormunden die Bevölkerung
Ziel ihrer Partei sei es, die Menschen bei den eigenen Lebensentscheidungen zu unterstützen, so Barley. Oberbürgermeister Boris Palmer musste zur Kenntnis nehmen, dass die Grüne den Menschen oft versuche vorzuschreiben, wie sie ihr Leben zu führen haben. Deutschland sei ein Land, das wirtschaftlich und sozial Stärke aufweise, so die 48–jährige Juristin. Auf die negativen Zukunftsprognosen vonseiten rechter Populisten hatte Barley nur eine kurze Antwort: »Das ist totaler Quatsch« und sie warnte davor, mit der Demokratie in Deutschland zu spielen. Der Tübinger SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Rosemann sagte, die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland sei zufrieden mit den Lebensumständen – schränkte jedoch ein, viele litten unter erheblichen Zukunftsängsten.

Europa als Hoffnungsträger
Eine Rückkehr zum Nationalismus sei jedoch keine Lösung. Darin waren sich alle Gastredner einig: Nur durch eine enge Zusammenarbeit innerhalb der EU, »dem größten Friedensprojekt, das es je gab«, könnten die Herausforderungen der Globalisierung gemeistert werden. Die Bundestagsabgeordnete aus Trier machte sich sodann auch schon auf zum nächsten Neujahrsempfang in Pforzheim und überließ das etwa 200 Personen zählende Publikum den Getränken, salzigem Gebäck und den freudigen Klängen der Band »Grupo Martillo«, die den Neujahrsempfang begleitete.     –shi