TÜBINGEN. 900 Gäste begrüßte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer beim Tübinger Neujahrsempfang. Unter den Ehrengästen waren Regierungspräsident Klaus Tappeser, Landrat Joachim Walter sowie Vertreter der umliegenden größeren Städte, etwa aus Rottenburg der Erste Bürgermeister Thomas Weigel oder Robert Hahn aus Reutlingen. In seiner Neujahrsrede forderte Palmer bezahlbaren Wohnraum für alle Bürger. Palmer stellte das Programm »Fairer Wohnraum« vor, welches der Gemeinderat am Tag zuvor beschlossen hatte. Es sieht etliche Regulierungen des Wohnungsmarktes in Tübingen vor. So unterliegen künftig 90 Prozent der Mietwohnungen auf städtischem Grund der Preisbindung. Bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GWG soll der Bau neuer Wohnungen in den kommenden zehn Jahren im Vordergrund stehen.
Deren Anzahl soll in den nächsten zehn Jahren um 25 Prozent auf dann 2 500 ansteigen. Auch soll das Französische Viertel erweitert werden. So werde die Straßenmeisterei nach Dußlingen verlagert. Das dann freie Grundstück zwischen Stadtwerken, B 27 und Eisenhutstraße wird dann mit Wohnungen überbaut.
Dies soll dann in Anbindung an das Loretto-Viertel und das Französische Viertel geschehen. Mit den Maßnahmen möchte Boris Palmer nicht zuletzt auch den Anteil der Sozialwohnungen in Tübingen erhöhen. Wohnraum müsse bezahlbar bleiben, zudem gehe es auch darum, im sozialen Wohnungsbau aktiv zu sein. So wurden laut Palmer im ersten Jahrzehnt ab 2000 keine Sozialwohnungen in Tübingen gebaut.
Ziel sei es, mit dem Programm »fairer Wohnen« einen erheblichen Teil der Fördermittel nach Tübingen zu holen. Palmer kritisierte am Rande des Neujahrsempfangs auch das Bitcoin-Schürfen, welches sich zum regelrechten Klimakiller entwickele. Auch sagte er hinsichtlich der Rassismus-Vorwürfe von Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher, er sei kein Rechtspopulist geworden, genauso wenig wie er Kommunist geworden sei.

Jugendsinfonie-Orchester
Palmer verlieh zwei Hölderlin-Plaketten sowie eine Uhland-Plakette an drei verdiente Bürger. Andreas Feldtkeller und Gerhard Bialas wurden mit der Hölderlin-Plakette geehrt, Alexander Marmé bekam die Uhland-Plakette.
Gerhard Bialas wurde als langjähriges Mitglied des Gemeinderates geehrt, zudem habe er sich laut Palmer für die Abschaffung der Einwohnersteuer, gegen eine Autobahn am Rande der Altstadt, für die Erhaltung des Schwabenhauses und für die Wiedereröffnung der Ammertalbahn eingesetzt. Und Stadtplaner, ohne den es, so Palmer »keine Altstadt mehr gäbe und kein Französisches Viertel, wie wir es heute kennen.« Marmé setzt sich für ein Hospiz in Tübingen ein. Musikalisch umrahmt wurde der Neujahrsempfang vom Jugendsinfonie-Orchester der Musikschule Tübingen.     –aba