TÜBINGEN. Das Französische Viertel ist mittlerweile ein Vierteljahrhundert alt. Zum Jubiläum gibt es eine Rückschau mit zwei wichtigen Akteuren aus der Entstehungszeit: Der Stadtplaner Andreas Feldtkeller und die frühere Erste Bürgermeisterin Gabriele Steffen erinnern sich gemeinsam an die Ausgangssituation sowie an die Herausforderungen und Hindernisse dieses gewaltigen Bauprojekts. Zur Gesprächsrunde mit Moderator Thomas Hagenauer vom SWR sind alle Interessierten eingeladen am Freitag, 12. Oktober, 19 Uhr, Stadtmuseum, Kornhausstraße 10. Als 1991 das französische Militär aus Tübingen abzog, wurde das zehn Hektar große Garnisonsgelände im Süden der Stadt zum Experimentierfeld. Künstler und Freigeister entdeckten die verlassene Kaserne für sich. In den Mannschaftsunterkünften kamen Asyl suchende und Studierende unter. Gleichzeitig entwickelte das Stadtsanierungsamt unter Andreas Feldtkeller die Idee eines neuen Stadtteils.

Gegen den Bautrend
Die damalige Erste Bürgermeisterin Gabriele Steffen begleitete und unterstützte den Prozess. Mit dem Französischen Viertel entstand ein Stadtquartier, das sich gegen damalige Bautrends richtete. Durch die Vermischung und Durchdringung von Wohnen und Arbeiten auf engem Raum sollte eine »Stadt der kurzen Wege« entstehen. Das Konzept bedeutete eine radikale Abkehr vom damals gängigen Städtebau, der Wohnen und Arbeiten strikt voneinander trennte. Neu war auch, dass die Häuser von den künftigen Nutzern selbst erbaut wurden und nicht von gewerbsmäßigen Baufirmen.
Das Bauen in Baugruppen, heute in Tübingen eine gängige Praxis, nahm hier seinen Anfang. Der Eintritt ist frei.
Die Gesprächsrunde gehört zum Begleitprogramm der Ausstellung »Am Rand wird’s interessant - Anders wohnen im Tübinger Süden«, die noch bis 28. Oktober 2018 im Stadtmuseum zu sehen ist.     –tw