Er hat den längsten Wagen und kam als Letzter. Der Käsbär aus Waiblingen wollte vor ein paar Jahren gegen 9 Uhr am Morgen des Martinimarktes die Silberburg hinunter zu seinem Standplatz fahren. Doch der Wagen war zu lang, die Steigung zu steil, da blieb der gute Händler einfach hängen. Aufgesetzt. »Da mussten wir eine Bulldog holen und ihn rausziehen«, erzählt Rudi Keller mit einem Lächeln und ergänzt: »Dadurch musste der Käsbär in die letzte Ecke des Marktes und hat kaum etwas verdient.« Wer nicht hören will…. Solche Anekdoten kann der Marktmeister erzählen und sicher noch ein paar mehr. 30 Jahre lang hat der Trochtelfinger das Amt bekleidet, das nicht immer einfach ist, wie er betont. »Man muss da schon hinstehen können«, sagt er in schönstem Schwäbisch. Keller konnte das und geht am 4. November  zum letzten Mal auf Tour. Dann öffnet einer der höchsten Feiertage der Trochtelfinger wieder seine Tore und 80 bis 100 fliegende Händler wollen versorgt und umsorgt sein. 
Tags zuvor laden  der Werbekreis und seine Mitglieder zum verkaufsoffenen Sonntag . Sie  zeigen einmal mehr, welche Vielfalt sich den Kunden in Trochtelfingen bietet. An diesem Abend beginnt schon der Dienst des Marktmeisters. 
Von 20 bis 22 Uhr dreht er seine Runden, weist die ersten Händler ein. Mit dabei ist auch der Käsbär, der aus seinem fast verhängnisvollen Fehler (»Den hätte es fast auseinandergerissen«, so Keller) gelernt hat. 
Ab fünf Uhr in der Früh am eigentlichen Markttag ist Keller dann wieder auf den Plätzen rund ums Rathaus, die an diesem Tag in Trochtelfingen die Welt bedeuten. 
Es ist der größte Krämermarkt des Ortes im Jahreslauf, Händler kommen aus nah und fern. Es ist wie ein Feiertag, selbst das Rathaus schließt am Nachmittag seine Pforten. 

Ein langer Feiertag
Am Abend dann geht das Festle weiter und was  man hört, sitzen die einen oder anderen  bis in die frühen Morgenstunden des nächsten Tages beisammen  und feiern das Leben. Doch das ist eine andere Geschichte. 
Rudi Keller hat von fünf Uhr bis etwa um halb neun »Highlife«, wie er sagt. Doch der Rentner lässt sich nicht mehr aus der Ruhe bringen, zum Vesper geht er ins Hanner und trinkt einen Kaffee –  bevor er dann zum Abkassieren der Händler schreitet, die noch nicht gezahlt haben. 
Er kennt und schätzt seine Pappenheimer, hält  hie und da ein Schwätzchen, guckt nach dem Rechten und freut sich auf den Feierabend. Gegen 16 Uhr lässt Rudi Keller den Riemen runter und geht ins Bräuhaus. Dort gönnt er sich ein Gröschts oder Saure Kutteln, »des muas sei«. In diesem Jahr zum letzten Mal. »Schee war’s, aber jetzt dürfen auch mal die Jungen ran«, sagt er über seine Zeit als Marktmeister. Seinem Nachfolger Volker Schick wünscht er, dass er das Gleiche mitmachen darf wie er. Nur das Schöne natürlich. 

Verkaufsoffen
Schönes und Interessantes haben auch die Mitglieder des Werbekreises zu bieten. Sie veranstalten am 3. November von 12 bis 17 Uhr ihren verkaufsoffenen Sonntag – wie gehabt mit vielen Aktionen. Unter anderem verteilen die teilnehmenden Geschäfte ab dem Martinimarkt wieder ihre Bäumchen zum Bemalen. Diese sollen den großen Weihnachtsbaum auf dem Rathausplatz schmücken. 
Für jedes aufgehängte Bäumchen spendet der Werbekreis einen  Euro an die verschiedenen Trochtelfinger Schulkinderbetreuungen, sodass Ihre künstlerische Tätigkeit im weitesten
Sinne der ganzen Gemeinde zugute kommt. Ein Skibasar, Kinderflohmarkt, Bücherflohmarkt und ein Koffermarkt gibt es außerdem an diesem Tag im Städtle.                          -diet