METZINGEN/REGION. Schwäbische Maultaschen in der Brühe serviert, dazu ein Salatteller: Das ist es, was das Herz eines jeden Schwaben höher schlagen lässt. Und wenn dann noch die Zubereitung entfällt, und man sich an den gedeckten Tisch setzen kann – umso besser. Insofern ist das Maultaschenessen, jährlich veranstaltet von der Kolpingfamilie im Foyer des Metzinger Bonifatiussaals gesetzt. Am kommenden Sonntag, 1. Oktober, ist es wieder so weit. Ab 11 Uhr wird aufgetischt, oder wer möchte, kann die fertigen Maultaschen zum Verzehr auch mit nach Hause nehmen. 


Das Wichtigste ist jedoch, der Erlös kommt einem guten Zweck zugute: der Leprahilfe. Doch wie kam das Ganze zustande? Fast so lange wie es die Kolpingsfamilie gibt, nämlich seit 1971, führt der Verein die Aktion Lepra durch. Unter dem damaligen Vorsitzenden Klaus-Peter Riedlinger informierte sich der Vorstand in Würzburg beim Deutschen Aussätzigen Hilfswerk (DAHW), das heute Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe heißt, sich aber immernoch mit DAHW abkürzt, wohin Unterstützungsgelder fließen sollten. Schnell wurde klar, dass Brasilien eine hohe Zahl von Leprakranken aufweist und der Hilfe bedarf.


Wie aber Spendengelder generieren? Die Kolpingfrauen kamen auf die rettende Idee: Sie bereiteten Maultaschen zu, die dann am letzten Sonntag im Januar, dem Welt-Lepratag verkauft wurden. Die Aktion war von Anfang an ein voller Erfolg, sodass schon ab 1974 ein zweiter Maultaschentag eingeführt wurde – im Herbst beim Erntedankfest. Die Zahlen der Spenden und der Maultaschen schnellten in die Höhe: Laut Oliver Schnepf, Vorsitzender der Kolpingsfamilie, sind es an guten Tagen, an denen dann 80 freiwillige Helfer für die gute Sache werkeln, bis zu 8 000 verkaufte Maultaschen, die im Saal der St. Bonifatius-Kirchengemeinde auf dem Ösch kredenzt werden. Auch ein Flohmarkt wird nebenbei noch im Foyer des Bonifatiussaals durchgeführt, sodass zusätzliche Gelder hereinkommen. Die Aktionserlöse bis Januar 2016 betrugen insgesamt 520 000 Euro.


Das Geld, das für Maultaschen in der Brühe oder mit Salat ausgegeben wird, ist gut angelegt, denn es geht an zwei Leprastationen in Sao Luis im Norden und nach Manaus im Bundesstaat Amazonas in Brasilien. Dass Lepra, das Wort stammt vom griechischen Wort lepros und heißt aussätzig, heute noch so tabuisiert wird, hängt sicherlich auch mit dem Krankheitsbild zusammen. Bei der schwersten Form, der lepromatösen Lepra, ist der ganze Körper irgendwann von Flecken und Knoten überzogen, überall bilden sich Geschwüre, die sich – auch, weil sie von den Kranken nicht wahrgenommen werden – oft entzünden. Lepra gilt als Krankheit der Armen, sie findet Ausbreitung dort, wo die hygienischen Bedingungen schlecht sind, dies gilt beispielsweise für Indien, Afrika und Brasilien. Im Land der letzten Fußball-Weltmeisterschaften werden jährlich 30 000 neue Erkrankungen registriert. Dennoch ist der Antrieb der Wissenschaft gering. Es wird zu wenig geforscht, beklagt der Verein der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe. Und angesichts der Tatsache, dass die Schere zwischen Arm und Reich nicht nur in den Schwellen- und Entwicklungsländern immer weiter auseinanderklafft, ist Lepra nach wie vor eine Krankheit, von der eine reale Gefahr ausgeht


Wer also am Sonntag vorbeikommt zum Maultaschenessen, tut ein gutes Werk und die heimische Küche kann kalt bleiben. Wer sich noch kurzfristig engagieren will als Helfer, kann sich unter der Telefonnummer
0 71 23/4 23 72 oder 0 71 23 / 38 71 anmelden.