REGION. Die Theateroffensive startet in die nächste Runde: das Programm der kommenden Spielzeit verspricht viel Abwechslung. Bis auf zwei Karten sind die 300 Abonnements bereits vergriffen. Schon jetzt kann das Publikum gespannt sein - Schenkelklopfer, ein Klassiker, farbenprächtige Multimedia-Momente, musikalische Reisen, ein Outdoor-Erlebnis auf der schwäbischen Alb und mehr stehen auf dem Plan der Kooperation zwischen dem LTT, der Tonne, dem Zimmertheater in Tübingen und dem Theater Lindenhof in Melchingen. Alle beteiligten Intendanten teilen dabei dieselbe Vorfreude: die Bühne des Neubaus der Tonne einzuweihen. Die »vielseitig nutzbaren Räumlichkeiten werden mit Leben gefüllt«, so Enrico Urbanek, Intendant des Theaters »die Tonne«.


Mit dem großen Theaterfest am Samstag, 28. Oktober, um 20 Uhr im kleinen Saal der Stadthalle startet die Theateroffensive. Eine Collage verschiedener Stücke bietet einen ersten Vorgeschmack auf die neue Spielzeit. Begleitet von Dirk Amon’s musikalischem Soloprojekt mit Kontrabass und Gesang soll das Publikum anschließend in gemütlicher Atmosphäre den Ausklang des Startschusses genießen, erklärt Lisa Petsch vom Kulturamt Reutlingen.
»Restkarten sind an der Abendkasse noch erhältlich«, so Petsch. Ein Bus-Shuttle bringt die Besucher auch diese Saison wieder vom Zentralen Omnibusbahnhof aus zu den entfernter gelegenen Spielhäusern - wie etwa nach Melchingen, wo es am Wochenende des 27. und 28. Januar hinaus zum Himmelberg, auf Sinnsuche geht.


»Die »Melchinger Winterreise, die dem Lindenhof von Peter Härtling geschenkt wurde, haben wir internationalisiert«, erklärt Stefan Hallmayer. Der Intendant erwähnt hierbei auch, dass im Stück das Thema Flucht behandelt wird. Das Publikum - in drei Gruppen aufgeteilt - durchläuft in dem durch Schubert angehauchten Stück drei Stationen und sollte »warme Kleidung für das Outdoor-Erlebnis nicht vergessen«. Die Stubenoper »Der verreckte Hof« führt das Melchinger Theater am 13. November im FranzK auf. In der Tragik-Komödie des bayrischen Autors und Musikkabarettisten Georg Ringswandel geht es um einen Hof, den keiner der Kinder übernehmen möchte, um ausgebrannte Nachkommen und eine unerwartete Verbindung zwischen der neu eingestellten osteuropäischen Pflegekraft und der eventuell dementen Mutter.


Neben dem Klassiker »Faust«, der am 20. und 21. März im Theaterneubau der Tonne aufgeführt wird, widmet sich am 13. Dezember das LTT dem Thema »Baugenossenschaft« - mit dem Bühnenwerk »Richtfest« von Lutz Hübner. Thorsten Weckherlin, der Intendant des LTT beschreibt es als »amüsantes Stück voller Schenkelklopfer, angereichert mit schwäbischer Manier«, aber auch als eine Komödie mit ernstem Hintergrund, die durch ihre Thematik sehr gut nach Tübingen passe.
Tausendsassa Heiner Kondschak begibt sich am 27. und 28. Februar im Theaterneubau mit dem Tonne-Auftragsstück »Von Weimar bis Merkel« auf eine musikalische Reise durch ein Jahrhundert deutscher Zeitgeschichte. Mit dem Stück »Through Roses« ersucht die Tonne anschließend gemeinsam mit einem achtköpfigen Musikerensemble der Württembergischen Philharmonie die Auseinandersetzung mit dem abscheulichsten Kapitel der deutschen Vergangenheit - »eine beteiligte Tänzerin und der Projektchor unter Leitung von Ulrike Härter, machen die Aufführung am 11. und 12. April zu einem außergewöhnlichen, modernen Projekt«, so Urbanek.


Axel Krauße spricht beim einzigen Beitrag des kleinen Zimmertheaters aus Tübingen von einem »sprachlich fulminanten, ästhetisch beeindruckenden Stück« - »Das Traumspiel« von August Strindberg kommt am 7. und 8. Main auf die neuen Bretter der Tonne. »Das Stück zu beschreiben ist schwer«, weiß Axel Krauße vom Zimmertheater in Tübingen. Sicher aber ist, dass die menschliche Existenzfrage tragend ist und die multimediale Inszenierung beeindrucken wird. Das Hörspiel »Die Abenteuer des Don Quichote« von Miguel de Cervantes setzt den Schlusspunkt der Theateroffensive 2017/18 am 22. Juni im kleinen Saal der Stadthalle. Don Quichote’s treues Pferd »Rosinante« wird darin von einem bekannten Star mit besonderer Stimme gesprochen. »Die Schauspielerin und Pina Bausch-Tänzerin, Mechthild Großmann, kennen viele aus dem Münsteraner Tatort, wo sie die Staatsanwältin mit der tiefen Raucherstimme spielt«, erklärt Petsch. Die Kooperation zwischen ihr und der deutschlandweit bekannten »Lautten Companey Berlin« wird auch historische Instrumente in Barocker Manier erklingen lassen.