MÜNSINGEN. Nicht aufgeben und eine kreative, aber realisierbare, dauerhafte Lösung finden, das ist momentan die Zielsetzung der Beteiligten um die Aufrechterhaltung der Geburtshilfe in Münsingen. In einem Pressegespräch im Landratsamt fasste Landrat Thomas Reumann die bisherigen Geschehnisse zusammen, gab aber kein Dementi für das Aus am 4. Mai. »Derzeit haben wir schlicht keine Lösung«, bedauerte er.

An der Diskussion nahmen Münsingens Bürgermeister Mike Münzing, Antje Buck, leitende Hebamme, der Geschäftsführer der Kreiskliniken, Norbert Finke, und Dr. Eberhard Rapp, Bürgerinitiative Albklinik Münsingen, teil.
Aktueller Stand ist: Die beiden bisherigen Belegärzte bleiben bei ihrer Absage, trotz attraktiven Angebots seitens der Verantwortlichen. Es habe ehrliche Anstrengungen gegeben, die Geburtshilfe abzusichern, aber leider zu spät, wie Rapp feststellte. »Die beiden fühlten sich wohl nicht wahrgenommen, und zwei mitgeteilte Termine wollten die Partner nicht wahrnehmen«, sagte er. Münzing wies darauf hin, bereits 2013 das Gespräch mit den Ärzten gesucht und Vorschläge unterbreitet zu haben. Deren Rückmeldung: »Das lassen wir auf uns zukommen«. Ihm ist wichtig, ein zukunftsfähiges Konzept zu entwickeln, das unabhängig ist von einzelnen Akteuren ist. »Die Geburtshilfe ist ein wichtiger, existentieller Bestandteil«, betonte er und unterstrich, dass niemand die Albklinik schwächen wolle.

»500 Geburten in Münsingen, das ist keine Eintagsfliege«, erklärte Finke. Im Vergleich dazu verzeichne die Reutlinger Geburtshilfeabteilung 2 160 Geburten. Er fasste zusammen: »Wir brauchen ein dauerhaft tragfähiges, attraktives Konzept. Entweder das war’s jetzt, oder wir nutzen die einmalige Chance der Zulassung als Hauptabteilung.« Was bedeutet, acht Fachärzte finden zu müssen. »Wir sind in der Akquise, aber das ist schon eine Hausnummer«, versicherte Reumann. Vor allem müsse ein Übergangskonzept gefunden werden, zwölf Hebammen und zwei Kinderschwestern gelte es zu behalten. Diese hätten inzwischen schon Angebote anderer Interessenten erhalten, wie Buck bestätigte. »Unser Team ist das Münsinger Team, und das will hier bleiben. Wir hoffen, im Januar 2019 wieder durchstarten zu können.« Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten die Abteilung Geburtshilfe mit ihrem Engagement zu der Einrichtung gemacht, die sie heute ist. Mit einem sehr guten Ruf in der Bevölkerung, gekennzeichnet durch eine besondere, persönliche, familiäre Atmosphäre, guter Zusammenarbeit von Ärzten und Hebammen und der Annehmlichkeit, dass Kreissaal und Wochenstation nicht getrennt sind, so Buck weiter. »Die Übergangszeit muss noch überstanden werden, aber es gibt schon einige kreative Vorschläge.«
Ein Pool mit der Reutlinger Klinik, so dass Ärzte in beiden Kliniken zum Einsatz kommen? Die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum muss gesichert werden, darin waren sich alle einig. Zählt doch die wohnortnahe Geburtshilfe zur »Daseinsvorsorge«, wie Reumann aus dem Koalitionsvertrag der Bundesregierung zitiert. »Es darf doch nicht wahr sein, dass ausgerechnet jetzt, wo es auch die Bundesregierung kapiert hat, wir das im Landkreis Reutlingen nicht hinkriegen.« Auf die Ergebnisse zweier wichtiger Veranstaltungen dieser Woche darf man gespannt sein. Gestern gab es ein intensives Bürgergespräch zum Thema. Auf die Ergebnisse der Gespräche im Aufsichtsrat darf man gespannt sein.