AMMERBUCH/REUTLINGEN. Insgesamt 160 Studierende an der Reutlinger Hochschule haben in zwölf Gruppen und in zwölf Semestern ein Kleinflugzeug aus 36 000 Einzelteilen zusammengebaut. Das ist weltweit einzigartig; ebenso, dass der Frauenanteil beim Projekt »IP-plane« 30 Prozent beträgt. Und die angehenden Wirtschafts-Ingenieure des Studiengangs »International Project Engineering« wurden dabei selbstverständlich vom sehr gestrengen Luftfahrtbundesamt in Braunschweig überwacht. Nun wurde es als »Ingenious Performance« getauft.

Am Wochenende gearbeitet

Es ist zum in die Luft gehen mit diesen Studenten: »Dürfen wir bitte auch am Wochenende arbeiten?« Darum hatten sie, unglaublich begeistert, ihren Professor und Studiengangs-Leiter Jochen Brune gebeten. Was die jungen Forscher und Wissenschaftler derart begeisterte war das Projekt Flugzeugbau. Am vergangenen Samstag hob das zweisitzige Modell »RV 12« des US-amerikanischen Herstellers Vans Aircraft vor großem Publikum ab in den Himmel über Poltringen. Die Einzelteile für die Maschine wurden nach und nach in den USA beim Hersteller der »RV-12« gekauft – und dann ging’s an die Arbeit.

Nächster Flieger in Planung

Insgesamt wurden 20 000 Stunden in 2 650 Arbeitsschritten aufgewendet, der Erstflug war Ende März. Nun soll der Flieger verkauft werden, um den Nachfolger finanzieren zu können, ein moderner Doppeldecker in Holzbauweise soll es werden. Die weltweit renommierte »Reutlingen-University« versteht sich als Hochschule für angewandte Wissenschaften, was dieses Projekt erneut unter Beweis stellte. Das »IP-Plane« stand, zunächst verhüllt im grauem Stoffkleid, im Hangar des Poltringer Flugplatzes. Passgenau genäht hatte diese Hülle die Reutlinger Fakultät für Textil und Design. Und die Cheerleader-Girls, die die Fliegertaufe zu einem fetzigen Event machten? Das waren Studentinnen der ESB Business School, natürlich auch aus Reutlingen. Enthüllt wurde dann stilecht mit Champagnertaufe – ein blauer Zweisitzer mit 100 PS, der den Vogel bis auf 223 Stundenkilometer bringen kann. Selbst wenn er voll »geheizt« wird, braucht der Rotax 912S-Motor nur 17 Liter Benzin pro Stunde, was etwa acht Liter auf 100 Stundenkilometern entspricht. Die Flügelspannweite des 340 Kilogramm leichten Flugzeugs beträgt acht Meter.

Das Gelernte in der Realität anwenden: Für ihren Fleiß, das Engagement, ihre Begeisterung und ihre Ausdauer lobte Reutlingens Hochschul-Präsident Hendrik Brumme die Studierenden, von denen zahlreiche längst im Job sind. Schließlich begann das Projekt Flugzeugbau bereits 2012. Viel Anerkennung sprach den Ingenieuren in spe auch der Projektleiter Prof. Jochen Brune (54) aus. Er war dann auch der Einzige, der bei der Schaumwein-Taufe mit Mineralwasser vorlieb nehmen musste. Denn Brune er war es, der kurz danach am Steuerknüppel der »Ingenious Performance« saß. Die Studentin Virginia Bleher, sie nahm die Taufe vor, ging beim offiziellen Erstflug mit in die Luft. Sie erklärte zuvor, dass der Name des Flugzeugs »für uns als Wirtschaftsingenieure steht und für unsere Tatkraft, dieses Flugzeug gebaut zu haben - und für unseren Mut, neue Wege gegangen zu sein.«                                                                                                                                                                                                          –jhe