TÜBINGEN. Klare Haltung zeigen Oberbürgermeister Boris Palmer und Spiegel-Korrespondent Hasnain Kazim mit Kommentaren auf ihren Facebook Profilen. Dabei ecken sie bei einigen Menschen an und bekommen sogar Hassmails. Bei vielen Themen sind sich beide nicht einer Meinung. Was sie an dem anderen stört, diskutierten sie im Kino Museum in Tübingen in der Veranstaltung »Streiten in Zeiten des Populismus« des Buchhändlers Osiander. Hazim ist überzeugt, Streit zu suchen, ist wichtig und zwar mit der Person, die eine andere Meinung hat. Auch Palmer findet Auseinandersetzung und Dialoge gut. So sind sich beide einig: Sich wie Grünen-Vorsitzender Robert Habeck von den sozialen Medien zurückzuziehen ist falsch.

Ärger über Auftreten
Dennoch ärgert sich Kazim an der Art wie Palmer auftritt. Inhaltlich habe er vielleicht Recht. »Viele Leute differenzieren nicht und lesen nur die Schlagzeile ‚Wir können nicht allen helfen’ Ihres Buches«, sagte der Korrespondent. Das seien die Menschen, die ihn in der U-Bahn angreifen, was daraus resultiert wie Palmer streite. Das ist aus Sicht des Oberbürgermeisters nicht die Folge seiner Aussagen. Zu oft werden Sätze nicht im Zusammenhang betrachtet, so Palmer. Dies ist sowohl bei ihm als auch bei seinem Gegenüber der Fall. Daher seien sie Brüder im Geiste, auf der anderen Seite des Tisches, sagte der Politiker. 

Verständlich formulieren
Der Journalist merkte jedoch an, dass es schwierig ist, so zu streiten, dass danach der Kontext erklärt werden muss, wie das bei seinem Streitpartner der Fall sei. Besser ist es, etwas so zu formulieren, dass es verständlich und nicht doppeldeutig ist. Kritik übte er dabei auch an den Medienschaffenden, die bei Kleinigkeiten von Äußerungen der Politiker sofort darüber berichten.

Nicht aufmerksamkeitsüchtig
Palmer ist jedoch nicht der Meinung, dass er manche Aussagen deshalb trifft, um in den Medien zu erscheinen. »Ich bin nicht aufmerksamkeitssüchtig, wie mir immer wieder unterstellt wird«, fügte der Oberbürgermeister hinzu. Er charakterisierte sich als jemand der von einer inhaltlichen Überzeugung getrieben ist und sich ärgert, wenn diese nicht in der öffentlichen Debatte untergebracht werden kann. Das bewusste Missverstehen von seinen Aussagen forderte er auf, bleiben zu lassen.

Streit suchen
Dabei hält er seine Strategie für richtig, in einen klaren und direkten Umgang mit AFD Wählern und die, die gefährdet sind diese Partei zu wählen, zu gehen und ihnen auch ab und zu sagen zu dürfen, dass sie Recht hätten. Jedoch dürfe das in der Gesellschaft nicht gesagt werden, weil dadurch die Partei gestärkt werde. Sich in Echokammern einzuschließen ist jedoch ein Fehler: »Wenn wir den Streit über die Lagergrenzen nicht suchen, dann desintegriert sich die Gesellschaft und die Kluft wird immer größer«, erläuterte Palmer.

Grenzen des Respekts
Kazim ist kein Verfechter mit allen zu sprechen. Irgendwo gibt es Grenzen des Respekts, wie sich andere einem gegenüber ausdrücken. Denn alle mit Argumenten zu erreichen sei schwierig. Wie beispielsweise Rassisten, die es in jeder Schicht gebe. Am Ende einigten sich die Streitenden auf Kazims Vorschlag, die Facebook Seite des jeweils anderen für eine Woche zu übernehmen. Die Veranstaltung moderierte Bernd Villhauer, Geschäftsführer des Weltethos-Instituts.