UNTERHAUSEN. Er gehört nicht zu den Menschen, die sich in den Medien in den Vordergrund drängen. Doch ein tief greifendes Ereignis in seinem persönlichen Umfeld bringt Tobias Hartstein dazu, einen wichtigen Moment aus seiner Lebensgeschichte einem breiten Publikum zu erzählen. Um es kurz zu machen: Der 31-Jährige hat ein Menschenleben gerettet. Heuer geht es in Unterhausen auch um ein Menschenleben, ein sehr junges dazu. Der zweieinhalbjährige Joel Neubrander ist an Leukämie erkrankt und die Familie, der Verein SG Ober-/Unterhausen, die Gemeinde sowie die DKMS rufen am Sonntag, 17. Dezember zu einer Typisierungsaktion auf. Dabei geht es um die Genesung und das Wohlbefinden des Kindes – wie vor drei Jahren bei einer jungen Frau aus Russland. Dank der Stammzellen von Tobias Hartstein hat sie überlebt. Die DKMS fand in dem Unterhausener genau den richtigen Menschen, um der jungen Frau zu helfen und forderte ihn auf zu spenden. Als die Nachricht damals bei ihm eintrudelte, hatte er längst vergessen, dass er sich hat typisieren lassen. Dabei hat die Bundeswehr keine unwichtige Rolle gespielt.

Bei der Bundeswehr
Hartstein gehört dem letzten Jahrgang an, der noch Grundwehrdienst ableisten musste. In der Kaserne in Hohentengen bei seiner Luftwaffeneinheit gehörte es dazu, sich typisieren zu lassen. So landete der junge Mann in der Spenderdatei. Niemals hätte er damit gerechnet, dass daraus eines Tages Ernst wird. Als dann der Brief von der DKMS vor ihm lag, »da hab ich mich erst mal daran erinnert, dass ich überhaupt registriert bin«, so Hartstein. Er zweifelte keinen Moment. Im Gegenteil: »Mir kam gleich der Gedanke: schön, dass du vielleicht helfen kannst.« Anderen helfen, sich für andere einsetzen, in der Gemeinschaft etwas bewegen, das ist dem Vereinsmenschen Hartstein in die Wiege gelegt.

Vereinsmensch
Von Kindesbeinen an ist er in Unterhausen mit seiner Familie ins Vereinsleben integriert und spielt heute nicht nur Handball in der Bezirksliga bei der SG Ober-/Unterhausen, sondern engagiert sich darüber hinaus bei seinem Heimatverein. Hartstein trainiert die männliche D-Jugend und ist als Spielleiter für die Koordination innerhalb des Vereins zuständig.

Viele Beratungsgespräche
So nahm die Geschichte vor drei Jahren ihren Lauf. Ein Monat nach dem Erhalt des ersten Briefes, es folgten weitere mit näheren Beschreibungen über den Ablauf, lag er in Tübingen auf dem Bett und ließ die Prozedur klaglos über sich ergehen. Immer im Hinterkopf: Ein Menschenleben hängt davon ab. Das ist wohl mit die größte Verantwortung, die man auf sich nehmen kann, zumal für einen Menschen, den man gar nicht kennt. Und auf sich nehmen muss man als Spender schon einiges.

Abgabe über Blut
Es gibt zwei verschiedene Arten der Stammzellenabgabe: peripher übers Blut oder aus dem Knochenmark. Zu 80 Prozent funktioniert es über den roten Lebenssaft, so auch bei dem Unterhausener. Doch bevor er auf dem Bett lag und an den Kanülen angeschlossen war, bekam er noch ein paar Auflagen. »Als Allererstes wurde mein Blut getestet, ob es überhaupt noch zu 100 Prozent passt.« Wenn es hier grünes Licht gibt, dann geht es weiter. Es folgten Beratungsgespräche mit Ärzten sowie der DKMS. Eine Woche vor der Aktion bekam er jeden Tag eine Spritze, um die Stammzellen zu aktivieren, um sozusagen so viele als möglich herauszuholen. Das bedeutete für den Handballer auch, zwei Wochen lang keinen Sport zu treiben. In der ganzen Zeitspanne vom Erhalt des Briefes bis zu den Momenten auf dem Bett gibt es viel Gelegenheit darüber nachzudenken, ob man überhaupt daran teilnimmt. Für Tobias Hartstein stand das nie infrage. »Man kann zwar bis einen Tag vor der Entnahme noch absagen, aber das trägt man ja dann sein Leben lang mit sich herum. Dann muss man immer sich fragen, warum man nicht geholfen hat.« Solche Fragen stellten sich für ihn nie. Er legte sich im November 2014 auf das Bett und ließ geduldig seine Stammzellen herausfiltern. Vier Stunden lang. Mit Erfolg. Die junge Frau lebt. Was für Momente im Leben.


INFO
Termin: Sonntag, 17. Dezember, 11 bis 16 Uhr.
Lichtensteinhalle,
Unterhausen.
Wer kann spenden?
Wer gesund ist und zwischen 17 und 55 Jahren.