REUTLINGEN. Gerade in den bildungsstarken Ländern nehmen die Bibliotheken einen besonderen Platz im Leben der Menschen ein. In Norwegen etwa wird in der Hauptstadt Oslo gerade eine neue Filiale der Deichmanschen Bibliothek gebaut. Diese soll neben einer umfangreichen Büchersammlung auch eine Lounge, ein Restaurant und einige Gaming - Bereiche beinhalten. Außerdem wird es dort Platz für ein Kino geben. Nicht ganz so modern, aber nicht minder einfallsreich zeigen sich die Finnen. In Espoo in der Sello-Bibliothek tritt jeden Tag »Börje« seinen Dienst an. Der Vierbeiner arbeitet als Begleitlesehund für Kinder mit Leseschwäche. Die Kinder lesen - »Börje« hört zu und gibt immer positives Feedback. Zudem hat er seinen eigenen Blog, auf dem unterhaltsame Leseübungen für Kinder angeboten werden. Weniger ausgefallene Wünsche äußerten die Reutlinger, wenn es um die Zukunft ihrer Bibliothek geht. In Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Tübingen führte die Stadtbibliothek Reutlingen im vergangenen Jahr eine umfassende Besucherbefragung durch. Die Ergebnisse wurden jetzt vorgestellt. Auf manche der Wünsche konnte sogar schon dementsprechend reagiert werden. Insgesamt wurden 665 Fragebögen beantwortet und ausgewertet. Das Ergebnis - die Reutlinger sind größtenteils sehr zufrieden mit ihrer städtischen Leihbücherei. Natürlich gab es auch Anregungen und Verbesserungswünsche - aber genau dafür war die Aktion ja auch gedacht.

Längere Öffnungszeiten und ein Café

Laut Befragungen besteht durchaus der Wunsch nach längeren Besuchszeiten, gerade am Wochenende. Ebenso steht ein Café ganz oben auf der Liste. Auch Themen wie die unzureichende Beschilderung oder das grausige Blaulicht auf den Toiletten kamen zum Vorschein. Auf einige der von den Besuchern genannten Umstände konnte seitens der Bibliotheksleitung umgehend reagiert werden. Unter anderem gibt es nun ein digitales Leitsystem, das die Orientierung im Haus erleichtern soll. Das garstige blaue Licht schimmert nur noch in den WC-Kabinen im Erdgeschoss. Ansonsten hat man wieder freie und klare Sicht auf sein Antlitz im Spiegel. Doch nicht alle Problemchen können so schnell aus der Welt geschafft werden.

»Pinnwand war jeden Abend voll«

Um die Besucher noch mehr in die Zukunftsgestaltung der Bibliothek miteinzubeziehen, kam den Verantwortlichen die Idee mit der »Zukunftswerkstatt«. Der erste Schritt war mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Fünf Tage lang hatten die Angestellten der Bibliothek ein extra offenes Ohr für die Nutzer der Leihbücherei. Auch eine Pinnwand bot Platz für Anregungen. Bibliotheksleiterin Beate Meinck zeigte sich durchaus positiv überrascht von der regen Bereitschaft mitwirken zu wollen. Besonders von der an jedem Abend mit bunten Zetteln gespickten Pinnwand war sie beeindruckt. Zusammen mit den »Leseratten« möchte man nun erörtern, wie zum Beispiel die Idee einer Cafeteria oder zumindest übergangsweise eines Kaffeeautomaten umzusetzen ist. Auch die Laut-Leise-Problematik wird eine Rolle spielen. Denn »die Bibliothek als Ort der Ruhe - das ist heute nicht mehr so«, konstatiert die Diplom-Bibliothekarin Meinck. Neben der normalen Bücherausleihe und dem Lernen und Studieren wird die Bibliothek heutzutage zunehmend als Treffpunkt genutzt. So muss das herbeigesehnte Café keine Science-Fiction mehr bleiben. Im Rahmen eines millionenschweren Umbaus könnte es dann tatsächlich ein Plätzchen geben, wo nicht nur das Gehirn, sondern auch der Magen gefüllt werden kann. Das steht jedoch auf einem anderen Blatt. Die Stadtbibliothek Reutlingen möchte weiterhin die Menschen dazu einladen, sich an der Zukunft der Einrichtung zu beteiligen.                                                                                                                                                           –boe