REUTLINGEN. Den »Masterplan Radverkehr – E-Bike-City Reutlingen« hat der Stadt- und Verkehrsplaner Dr. Ralf Kaulen im Reutlinger Rathaus vorgestellt. Ziel des Planes ist, eine Radverkehrsinfrastruktur zu entwickeln, die den vielfältigen Herausforderungen an die Mobilität der Zukunft gerecht wird. Fahrrad, Pedelec und E-Bike sollen in der Achalmstadt zu einer Alternative zum Alltagsverkehr werden und in ein multimodales Verkehrssystem eingebunden werden.
»Ich freue mich auf 2030«, sagte der Verkehrsplaner aus Aachen in einem Mediengespräch. Denn bis dahin will die Stadt die Rahmenbedingungen für den Radverkehr verbessern und seinen Anteil von derzeit 15 auf 25 Prozent des Binnenverkehrsaufkommens steigern.

Warum braucht es einen Masterplan?
Vieles sei bislang planerisches Stückwerk geblieben, so Kaulen. Dass die Aufstellung des Plans zirka eineinhalb Jahre in Anspruch genommen hat, erklärte er mit dem Prozedere in den Details: »Wir haben viele Anregungen aus den Bezirken, des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) und der Elterninitiative eingebunden, Anträge aus dem Gemeinderat berücksichtigt, zudem die Fragebogenaktion 2017 mit mehr als 1 000 Rückmeldungen aus der Bürgerschaft ausgewertet.« 
Das mehr als 100 Seiten starke Papier bündelt Zahlenwerke und die Ergebnisse der verkehrsplanerischen Untersuchungen, so Statistiken zu Unfällen mit Radfahrerbeteiligung, die zwischen 2013 und 2015 zugenommen haben. Weiterhin empfiehlt der Plan die Einrichtung von fünf »Verkehrskorridoren« für Radler quer durch das Stadtgebiet zu den angrenzenden Bezirken, sowie umfängliche Serviceleistungen wie Leitsysteme, Abstellanlagen, Parkhäuser oder Verleihe für Fahrräder. »Gut 300 Kilometer Radfahrachsen müssen ertüchtigt werden«, erläuterte Kaulen. Kosten: bis zu 1,8 Millionen Euro pro Jahr, rechnete der Experte vor. 
Baubürgermeisterin Ulrike Hotz betonte: »Besonders die Beseitigung von Unfallstellen ist wichtig.« 
Rund 665 000 Euro hat die Stadt in den vergangenen beiden Jahren in den Radverkehr investiert. Dabei handelte es sich unter anderem um Markierungen, Beschilderungen sowie den Umbau von Routen und Knotenpunkten etwa in der Ringelbach-, Leder- und Siemensstraße, um mehr Sicherheit und Komfort zu schaffen.
Im laufenden Jahr sind bauliche Maßnahmen in der Charlottenstraße und Rommelsbacher Straße, ferner an der Gustav-Werner-Unterführung vorgesehen. Zwischen Juli und September sollen die Bellino- und Moltkestraße mittels Markierungen und Beschilderungen zu Fahrradstraßen umgestaltet werden. 
Die Baubürgermeisterin unterstrich, dass die aktuellen personellen Ressourcen für die Umsetzung des Masterplans nicht ausreichten. Tiefbauamtsleiter Arno Valin konkretisierte: »Dazu sind fünf weitere Stellen erforderlich.«     –jos