TÜBINGEN. Körperverletzung, Sexualdelikte und Jugendkriminalität – mit insgesamt knapp 23 000 neuen Ermittlungsverfahren befasste sich die Staatsanwaltschaft Tübingen im vergangenen Jahr. Diese hohe Zahl hat zur Folge, dass sich auch die Verfahren verlängern, waren es 2017 noch 38 Kalendertage im Schnitt, steigerte es sich auf 46,5. Bei vorsätzlichen Körperverletzungen melden die Ermittler in ihrer Jahresbilanz einen neuen Höchstwert.

Mehr als 2 500 Fälle

In den Landkreisen Tübingen, Reutlingen und Calw wurden mehr als 2 500 Fälle aktenkundig. Zudem gibt es noch eine dramatische Erkenntnis aus der Bilanz 2018, die Oberstaatsanwalt Michael Pfohl vorgelegt hat und die seit Jahren bekannt ist, aber sich noch nichts geändert hat: die Tübinger sind nach wie vor unterbesetzt, es fehlen rein rechnerisch drei Stellen. Nicht nur Rechtslagen veränderten sich, sondern auch die Zahlen. Im Vergleich zum Vorjahr gab es beispielsweise mehr Verfahren gegen Jugendliche und Heranwachsende. Sie waren 700 Mal bei den Körperverletzungen beteiligt, häufig unter Einfluss von Alkohol, der laut Pfohl eine wichtige Rolle dabei spiele. Auch im Bereich der Sexualdelikte tat sich einiges: zuletzt wurde das Gesetz §184i Stgb zur Strafverfolgung sexueller Belästigung verabschiedet.

In diesem Zusammenhang gab es seitdem 93 Verfahren, was im Gegensatz zu 2017 von 59 eine deutliche Steigerung bedeutet. Insgesamt erreichte die Anzahl der Sexualdelikte im letzten Jahr einen neuen Höchstwert: annähernd 350 gegenüber 270 im Vorjahr. Doch konnten die 80 Beschäftigten in der Strafverfolgung- und vollzug auch Erfolge verzeichnen. Die Zahlen der gesetzeswidrigen Handlungen mit Geldwäsche, die oft mit Straftaten im Internet einhergingen, sind schon seit zwei Jahren rückläufig. Gleich sieht es bei Diebstahl und Unterschlagung aus, wo die Zahlen so niedrig sind wie seit zehn Jahren nicht. Hinzu kamen 2018 mehrere Fälle, die große öffentliche Aufmerksamkeit erregten. Das Verfahren zu den Affenversuchen am Max-Planck-Institut in Tübingen wurde nach einer Geldauflage nun endgültig eingestellt. Bemerkenswert ist die Menge der Geldauflagen, die an gemeinnützige Einrichtungen floss. Hier profitierte unter anderem die Kranken- und Behindertenhilfe.                                                                                                                                                   –ras