Es ist nur eine kleine Truppe, doch sie schaffen es mit Engagement und Herzblut die Welt aus den Angeln zu heben. Für ein paar Momente zumindest. Die Gischbl-Weiber aus St. Johann zählen ziemlich genau 26 aktive Mitglieder. Gleichwohl stemmen sie alle vier Jahre die Organisation eines großen Fasnetsumzugs. Wir haben uns mit der Zunftmeisterin Franziska Müller unterhalten und dabei sehr Interessantes in Sachen Motivation erfahren. »Man muss den Verein auch leben, um nicht unterzugehen«, sagt sie.

Hallo Franziska Müller, wie kommt’s, dass so ein kleiner Verein solch eine Mammutaufgabe stemmt?
Franziska Müller: Zum zehnten Geburtstag unseres Narrenvereins haben wir den ersten Umzug veranstaltet. Er wurde sehr gut angenommen, die Stimmung war toll und die Resonanz ebenso.

Dann wollten alle gleich wieder einen veranstalten.
Müller: Nein, aber wir wollten wieder was machen. Doch alle zwei Jahre, da hätten wir den Verein und vor allem die Mitglieder kaputtgemacht. So ein Umzug organisiert sich schließlich nicht von alleine, um es vorsichtig auszudrücken. Wir haben es dann nach vier Jahren versucht. Der Erfolg hat uns recht gegeben.

St.Johann ist nicht unbedingt eine Fasnethochburg.
Müller: Stimmt. Aber die Gemeinde hat uns richtig gut unterstützt. Das war ja auch motivierend, und als sie den Erfolg gesehen haben, die Stimmung im Ort, die vielen Leute auch von außerhalb, da waren alle zufrieden.

Wie viel von Euch sind denn bei der Organisation und der Umsetzung mit dabei?
Müller: Wir geben alle unser Bestes.

Soll heißen: Jeder?
Müller: Genau. In irgendeiner Art und Weise sind alle involviert. Viele Mütter haben beispielsweise den Zunftmeisterempfang vorbereitet. Bei der Umsetzung haben wir allerdings noch Hilfe von außen.

Von wem?
Müller: Die Krautscheißer aus Unterhausen unterstützen uns und kassieren für uns den Eintritt. 

Wie viele Hästräger erwartet Ihr?
Müller: 2640.

Das sind wie viele Gruppen?
Müller: 72.

Was macht ihr mit den Einnahmen?
Müller: Um es klar zu sagen: Wir machen es nicht vorrangig wegen des Geldes. Mit den Einnahmen geben wir den Mitgliedern etwas zurück. Zweimal fahren wir mit dem Bus zu Fasnetumzügen, das geht auf Kosten des Vereins. Sonst fahren wir ja privat, weil wir ja keinen Bus vollkriegen. Mit dem Geld bezahlen wir auch die Weihnachtsfeier.

Dann noch mal nachgefragt: Warum tut ihr Euch das an?
Müller: Man muss einen Verein auch leben, um nicht unterzugehen. Wenn man gar nichts macht, dann ist es ja auch langweilig. Zu was hat man denn dann den Verein?

Als Interessengemeinschaft, als Hort der Freundschaft, als Treffpunkt.
Müller: Genau. Auch dafür. Aber es ist natürlich immer wieder spannend zu sehen, dass wir gemeinsam etwas auf die Beine stellen können und es auch packen. Als kleiner Verein. Diesen Ehrgeiz haben wir schon. Und auch die Gemeinde profitiert. Es ist ja am Ende so ein kleines Gemeindefest. Schließlich beteiligen sich ja auch andere Vereine mit Ständen an der Strecke und verkaufen Speis und Trank. Dann hat jeder was davon.

    Interview von Dieter Reisner