Seine Bilanz ist beeindruckend. Nachdem Teodor Rus das Kommando als Trainer beim Fußball-Oberligist SSV Reutlingen übernommen hat, verlor die Mannschaft sieben Spiele nicht mehr. Vor der Winterpause taumelte der Klub im Niemandsland – Tendenz Tabellenkeller. Nun klettert das Team fleißig nach oben und parallel dazu auch die Zuschauerzahlen.
Wir haben uns mit dem sympathischen Coach unterhalten, der uns beim Kontakt schon nach ein paar Sekunden das Du angeboten hat. Der 43-jährige ehemalige Profi vermittelt eine einfache Philosophie. »Ich gehe auf die Spieler zu.«

Hallo Teodor, Gratulation zur beeindruckenden Bilanz. Du hast dem SSV Reutlingen wieder Leben eingehaucht.
Teodor Rus: Danke für das Kompliment. Ich wusste von Anfang an, dass die Mannschaft guten Fußball spielen kann. Aber wir wussten auch, dass wir alles geben und noch mehr laufen müssen wie die Gegner. 
Was machst Du anders als Dein Vorgänger?
Rus: Ich kann und will dessen Arbeit nicht beurteilen. Ich weiß nur, dass sie auch alles versucht haben. Vielleicht verstehen mich die Jungs besser. Ich gehe auf die Spieler zu, das ist für mich normal. Wir sprechen über alles, sie können immer zu mir kommen.

Es heißt, Du triffst den richtigen Ton.
Rus: Ich hab ihnen klipp und klar gesagt, was ich von jedem Einzelnen erwarte. Die Spieler wissen, was zu tun ist. Wir haben einfach Spaß, auch außerhalb. Aber wenn es dann ins Training geht oder ins Spiel, da muss jeder seine Leistung bringen, dann müssen wir liefern.

Es sind ja die gleichen Spieler, da hat sich nichts geändert. Also musst Du ein Zaubermittel haben, das ihnen Beine macht und Lust zum Kicken.
Rus: (lacht). Meine Idee von Fußball ist einfach und das können die Spieler umsetzen. Ich mag den Ballbesitzfußball. Es gibt viele Spieler in der Mannschaft, die den Ball lieben und ihn unbedingt haben wollen. Ich liebe auch das Risiko. Die Spieler sollen sich zeigen und keine Angst haben auch in Eins-zu-eins-Situationen zu gehen. Sie dürfen auch Fehler machen. Das ist eigentlich ganz einfach. Wir wissen genau, in welche Bereiche wir kommen müssen.

Was hat den Ausschlag dafür gegen, dass Du nach Reutlingen gekommen bist.
Rus: Weil es ein besonderer Verein ist. Du kannst jeden Trainer der Oberliga fragen, sie sagen alle ja, wenn man sie fragt, ob sie zum SSV wollen. Ich hab das für mich als eine große Herausforderung gesehen. Ich bin mir bewusst, dass ich als Trainer liefern muss. Aber wir sind auf einem guten Weg, haben aber noch nichts erreicht. Für mich ist es kein Problem, der Mannschaft zu sagen, dass wir nur eine Chance haben, wenn wir alles geben. Jederzeit. Die Jungs setzen das hervorragend um.

Was ist noch möglich diese Saison?
Rus: Wir denken von Spiel zu Spiel und werden in jedem an die Grenzen gehen. Wir wollen alles aus uns herausholen, damit die Leute zufrieden sind. Dann sehen wir, was dabei herauskommt.

Gibt es schon Pläne für die nächste Saison?
Rus: Wir sind mittendrin in der Planung. Wir werden aber nicht die Mannschaft komplett austauschen, sondern gezielt nach Spielern suchen, die uns weiterbringen. Das andere bringt ja nichts.
Interview von Dieter Reisner