Er hat sich schnell etabliert und präsentiert sich jedes Jahr wieder mit einem besonderen Prädikat. Der Sprint- und Sprungcup der Leichtathletik-Abteilung des VfL Pfullingen steht vor der Tür. Am Samstag, 7. Juli, ab 14 Uhr gehen die Sprinter und Springer auf die Bahn, mit dabei sind wieder erfolgreiche Athleten. Nicht mehr aktiv dabei als Sprinter ist Tobias Fluck. Der 28-Jährige beendete im vergangenen Jahr seine aktive Karriere als Leistungssportler, doch seinem Sport bleibt er treu. Der Masterabsolvent der Informatik hat sich gemeinsam mit Prof. Dr. Hans-Michael Ferdinand zum Abteilungsleiter wählen lassen. Wir haben ihn nach seinen Motiven befragt.

Hallo Tobias, Sie haben sich entschieden, Verantwortung im Verein zu übernehmen. Warum?
Tobias Fluck: Es ist ganz einfach: Ich war früher nicht immer zu hundert Prozent zufrieden, wie es bei uns in der Abteilung lief. Deshalb hab ich mir gedacht, jetzt ist so langsam mal ein Umschwung nötig und wir Jungen sollten zeigen, dass wir nicht nur meckern können.

Wie nah sind Sie dran?
Fluck: Da ich erst seit gut einem Jahr keinen Leistungssport mehr betreibe und meine Freundin Katharina Dobler nach wie vor dort trainiert, bin ich noch sehr nah an meiner alten Trainingsgruppe.
 

Was haben Sie sich vorgenommen?
Fluck: Ganz klar die Jugendförderung wieder aufzunehmen. Früher gab es in Pfullingen auch viele Veranstaltungen für Jugendliche oder für Kinder. Das fehlt uns jetzt.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus?
Fluck: Wir haben im aktiven Bereich eine recht große Gruppe, die stark leistungsorientiert trainiert und gute Ergebnisse erzielt. Im Bereich zwischen 6 und 12 Jahren haben wir relativ viele Kinder, aber alles dazwischen fehlt halt.

Warum?
Fluck: In den letzten Jahren ist da viel weggebrochen, weil uns Trainer gefehlt haben. Deshalb ist auch die Altersstruktur durcheinandergekommen. Das Ganze möchten wir wieder aufbauen.

Was sonst noch?
Fluck: Den Sprint und Sprungcup weiter vorantreiben, da jedes Jahr besser werden sowie die Trainingsbedingungen im Stadion verbessern. Das sind so die drei Kernelemente, die wir uns für die nächsten zwei Jahre vorgenommen habe. Zudem haben wir einen Förderverein gegründet, um die Leichtathletik in Pfullingen weiter voranzutreiben. Der Verein wird von Florian Bonnaire und Katharina Dobler geführt.

Wie wollen Sie die Jugendlichen zurückgewinnen?
Fluck: Vor allem durch die Trainerstrukturen. Ab dem neuen Schuljahr haben wir mit Katharina Dobler eine dritte kompetente Kraft an Bord. Die Trainingszeiten wollen wir auf drei erhöhen, bisher waren es zwei. Und im nächsten Jahr wollen wir mehr Veranstaltungen für Kinder in Pfullingen haben.


Wie sieht das aus?
Fluck: Wir wollen wieder die Kinderleichtathletik gemeinsam mit dem WLV ausrichten, das hat in diesem Jahr zeitlich nicht gereicht, weil wir noch andere Baustellen in der Abteilung haben. Und ganz wichtig, was mir persönlich früher immer gefallen hat, es gab eine Riesenweihnachtsfeier. Auch damit kann man die Kinder an die Abteilung binden.


Was steht dieses Jahr noch an?
Fluck: Da gibt es im November eine Fortbildung zum Thema Kinderleichtathletik hier in Pfullingen. Wir versuchen in vielen Richtungen zu denken, um die Kinder wieder an die Abteilung heranzuführen und zu halten.

Denken ist das eine, begeistern das andere. Hat denn die Leichtathletik vor der Übermacht des allgegenwärtigen Fußballs noch eine Chance.
Fluck (lacht). Definitiv. Der VfL Pfullingen richtet jedes Jahr von der »Kiss« ein Leichtathletik-Camp aus. Dort sind direkt Mütter auf uns zugekommen, deren Kinder gern in die Leichtathletik kommen würden. Sie haben nach Trainingszeiten gefragt und waren sehr interessiert. Das war schon ein ganz gutes Feedback.

Das hört sich interessant an.
Fluck: Wenn man das, was in den letzten Jahren eingeschlafen ist, wieder aufbaut, dann kann man die Kinder wieder heranführen und begeistern.

Wie kam die Begeisterung zu Ihnen?
Fluck: Ich saß vor dem Fernseher und hab Leichtathletik geschaut damals mit Maurice Green. Das hat mich begeistert und motiviert. Aushängeschilder oder Ausnahmeathleten sind wichtig. Deshalb glaub ich, wenn man ein paar herausragende Sportler vor Ort hat, dass man dann die Kinder so noch begeistern kann. Zudem wollen wir die Kinder schnell an die Erwachsenengruppe heranführen.

Was heißt das konkret?
Fluck: Es wird im kommenden Jahr Trainingszeiten mit Johannes Ferdinand geben, dass Kinder parallel mit den Erwachsenen trainieren.

Das hört sich sehr gut an, aber es hört sich auch sehr zeit- und personalintensiv an. Jedes Training und die Begeisterung steht und fällt mit der Person, die verantwortlich ist.
Fluck. Jede Stelle zu hundert Prozent zu besetzen wird schwierig. Die Rückmeldung zu Katharina Dobler war gut, sie hat ihren Job in der Kindersportschule gut gemacht. So weit ich das beobachtet habe, waren die Mütter von ihrer Arbeit auch ganz entzückt.

Was braucht man, um ein guter Leichtathletik-Trainer zu sein?
Fluck: In der Leichtathletik kann nicht jeder mal ein Training leiten. Man braucht eine Ausbildung dafür, es ist ja nicht nur hoch und runterrennen. Unsere Trainer waren ja im Prinzip alle selbst aktive Leichtathleten und sie haben Erfahrung im Umgang mit Kindern. Johannes Ferdinand und Anna-Theresa Ferdinand sind beide Lehrer, Katharina Dobler ist angehende Lehrerin, Iris Mutschler macht das seit mehr als zwanzig Jahren und hat es immer wieder geschafft, Kinder zu begeistern.


Für die Begeisterung kann so eine Veranstaltung wie der Sprint und Sprungcup auch seinen Teil dazu beitragen. Was zeichnet denn den Cup aus?
Fluck: Es sind Disziplinen, in denen die Pfullinger in den letzten 20 Jahren immer erfolgreich waren. Wir schaffen es jedes Jahr, nationale oder internationale Topathleten wie Gregor Traber oder Alina Rotaro an den Start zu bringen. Bei Traber haben wir einen Einlagelauf angeboten. 

Darf ich zum Wesen der Veranstaltung noch etwas ergänzen.
Fluck: Ja bitte

Ein einziges Wort: familiär.
Fluck: Ja, wenn man die Atmosphäre betrachtet. Ich denke immer noch als Leistungssportler und seh das in erster Linie aus diesem Blickwinkel. Aber es ist schön, wenn es so rüberkommt.

Jetzt kommen wir zur schwierigsten Frage: Wenn sich eine Fee auf Ihre Schultern setzt und Sie hätten einen Wunsch frei, wer in Pfullingen starten soll. Wen würden Sie nennen?
Fluck: Also da würde ich nicht so sehr auf die internationalen Athleten setzen, sondern eher in Richtung deutsche Spitze schauen. Entweder den deutschen Rekordhalter Julian Reus oder Gina Lückenkemper. Sie würde bestimmt viele Zuschauer anlocken.

    Interview von Dieter Reisner