Im Grunde genommen ist das Leben einfach. Wer sich wohlfühlt, bringt gerne seine Leistung und legt zumeist auch noch eine Schippe drauf. Dieses Prinzip jeden Mensch, junge wie alte, fair und respektvoll zu behandeln, gerät immer mehr in den Hintergrund, sei es im Berufsleben, im privaten Umgang oder auch bei Sportvereinen. Diese klagen häufig über Nachwuchssorgen und könnten doch selber ein klein wenig an der Stellschraube drehen.
Sofern die richtige Einstellung der Verantwortlichen vorhanden ist. In der Tennisabteilung des TSV Betzingen sitzen Menschen an entscheidenden Positionen, die das Geheimnis des Lebens entdeckt haben oder gar kennen. Oder um es nicht so geschwollen auszudrücken, wissen, wie der Hase läuft. »Diese Jugendarbeit sucht ihresgleichen«, urteilt Ulrich Lange.
Der Präsident des Württembergischen Tennisverbandes weiß, wovon er spricht, er kennt die Betzinger aus dem Effeff und blickt mit begeisterten Augen auf ihre Arbeit. Die sich am deutlichsten in Zahlen ausdrücken lässt. In dieser Saison hatte der TSV Betzingen in der Tennisabteilung 13 aktive Mannschaften für die Verbandsrunde gemeldet. Zehn davon feierten am Ende. Sie wurden alle Gruppenerste. Zehn! Damit steigen acht von ihnen in die nächsthöhere Spielklasse auf, »das ist etwas ganz Besonderes und es ist vor allem eines nicht –alltäglich«, betont der Reutlinger mit Nachdruck.
Aber es ist das Ergebnis kontinuierlichen Schaffens, viel Einsatz, Engagement und Ideen. Vor allem aber ging es schnell. Vor gerade einmal fünf Jahren begann Gerd Hummel (im Verband Breitensportwart) damit, Kinder und Jugendlichen den Weißen Sport näher zu bringen. Grund: Seine Enkelin wollte auch Tennis spielen.
Also nahm sich Opa Gerd einen Schläger und spielte kindgerecht mit ihr freitagnachmittags. Dazu gesellten sich weitere Kinder und aus diesem Keim entstand ein Pflänzchen, das zu einem stattlichen Baum herangewachsen ist. Heute umfasst die Jugendabteilung rund 100 Mitglieder, das sind rund ein Drittel der ganzen Abteilung. Sie alle bleiben über die Jahre dem Verein treu und übernehmen ebenfalls Verantwortung. Jeden Samstag stellen sich fünfzehn Aktive und Jugendliche ehrenamtlich auf den Platz und unterrichten die Kinder kindgerecht. »Das zeigt sich jetzt in den Erfolgen«, so Lange, der ein Beispiel anfügt, wie sich der Verein um seine Kinder bemüht.
Die Verantwortlichen um Abteilungsleiter Tim Hummel veranstalten auch außerhalb des Platzes einiges. Vergangenes Jahr etwa organisierten sie eine Ausflugsfahrt zu den Deutschen Tennis-Meisterschaften nach Biberach an der Riß, erzählt Lange. Mit rund 50 Kindern ging es ins Oberland, wo unter anderem Tennisprofis wie Laura Siegemund, Julia Görges oder Carina Witthöft antraten.
Die Hamburgerin Witthöft stand auch noch den Nachwuchsspielern aus Betzingen Rede und Antwort, Hanne Hummel, Jugendadministratorin und Geschäftsstellenleiterin, hatte, auch unterstützt vom Verband, noch ein spannendes Programm für die Jungs und Mädels zusammengestellt. »Alles in allem ein tolles Erlebnis für alle. So etwas bleibt im Gedächtnis«, sagt Lange, »so etwas wirkt auf die Jungen«.
Mit solchen Aktionen hat die Tennisabteilung in den vergangenen Jahren hundert neue Mitglieder gewonnen, so der Verbandspräsident, das sucht seinesgleichen. »Für uns ist der TSV eine Galionsfigur, ein Aushängeschild, wie man es eben auch machen kann. Nicht klagen, machen, heißt da die Devise«, sagt der Reutlinger Ulrich Lange. »Bei solch einer Betreuung und mit solchen Aktivitäten bleiben die Kinder im Verein, weil sie sich wohlfühlen. Sie werden Ernst genommen«, lobt Lange.
So taugt das Beispiel Betzingen auch für den Rest des Lebens. Wenn Menschen sich wohlfühlen, bringen sie Leistung, handeln loyal und engagieren sich. Wenn das nur noch mehr Menschen verstehen würden.     –diet