»Ich habe einen Traum«. Mit diesen Worten sprach Martin Luther King der ganzen Welt eindringlich ins Gewissen. Der amerikanische Bürgerrechtler forderte darin Gleichberechtigung der Menschen, gleich welcher Hautfarbe. Fast auf den Tag (28. August) genau 53 Jahre nach dieser denkwürdigen Rede zeigt sich die Welt und vor allem der Umgang miteinander weiterhin mit seiner hässlichen Fratze.
Toleranz, seit der Aufklärung im 18. Jahrhundert erst in den Sprachwortschatz eingegangen, scheint die menschlichen Köpfe wieder zu verlassen. Um das zu verhindern, um ein Zeichen zu setzen gegen Rassismus, Antisemitismus, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit belohnt der Badische, Südbadische und Württembergische Fußballverband Vereine mit besonderem Engagement für Menschlichkeit und Toleranz.

Der Gottfried-Fuchs-Preis ist mit 10 500 Euro dotiert und wird ab sofort alle zwei Jahre vergeben. Wie das Leben so spielt und die Geschichte sich in die Gegenwart brennt, tauchte der Name des Namensgebers Fuchs indirekt bei den Olympischen Spielen in Rio auf. Oder vielmehr das 10:0 der deutschen Auswahl gegen die Fidschi-Inseln ließ die Historiker in den Redaktionen aufhorchen, fortan wühlten sie in Archiven und fanden nach den fünf Treffern von Nils Petersen in einem Spiel den Karlsruher Fuchs, der im Jahre 1912 als Nationalspieler sage und schreibe zehn Mal im Spiel gegen Russland einnetzte und damit für den höchsten jemals erzielten Sieg (16:0) einer deutschen Nationalmannschaft sorgte. Doch das allein genügt nicht, um Namensgeber für solch einen Preis zu sein. Da braucht es gewichtige Gründe: Fuchs, der beim Karlsruher FV spielte, ist bis heute neben Julius Hirsch der einzige deutsche Nationalspieler jüdischer Herkunft.

Mit dem Jugendpreis erinnern die drei baden-württembergischen Fußballverbände an Gottfried Fuchs, stellvertretend für alle jüdischen und andere diskriminierte Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Funktionäre und Vereinsmitglieder, die nach der Machtübernahme durch die Nazis aus der Gesellschaft und der Fußballfamilie ausgeschlossen wurden. Ausgezeichnet werden Vereine, Abteilungen oder einzelne Mannschaften aus dem Jugendbereich, die alleine oder in Kooperation mit Schulen für Menschlichkeit und Toleranz entschieden eintreten und sich gegen Antisemitismus, Rassismus, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit und andere Formen der Diskriminierung besonders engagieren.
Die Initiativen können einmalig oder auf Dauer angelegt sein. Die Bewerbungsfrist endet am 15. April 2017. Unabhängig davon gilt an jedem Tag zu jeder Stunde im täglichen Miteinander ein Satz des französischen Schriftstellers Antoine de Saint-Exupery: »Um einen Schmetterling lieben zu können, müssen wir auch ein paar Raupen mögen.«    –diet/rw