Das Wort passt wohl nirgends besser als beim Schießen. Obwohl es sich im Leben an sich, also im ganz normalen Alltag, schon auch lohnt, zielgerichtet zu handeln. Der Erfolg bleibt dann meistens nicht aus. Außer man ist ein gnadenloser Pechvogel mit zwei linken Händen. Doch das wollen wir den Luftpistolenschützen des SV Willmandingen nicht unterstellen. Im Gegenteil. Wer links schießt, trifft genauso sicher oder unsicher ins Ziel wie mit rechts. Mit links schafft man aber nichts so leicht, wie die Redewendung glauben macht, außer vielleicht a Weggle mit Wurschd belega, oder den Fernseher einschalten. Kurz: niemand sollte sich einer Sache sicher sein. Jedes Spiel beginnt bei null, jeder Marathon mit dem ersten Schritt, jeder Wettkampf im Luftpistolenschießen mit dem ersten Schuss. Wer jeden Wettkampf gewinnt, der neigt möglicherweise eines Tages dazu, nicht mehr ganz so konzentriert an die Sache heranzugehen. Die Luftpistolenschützen des SV Willmandingen neigen gewiss nicht zur Leichtfertigkeit, sonst hätten sie in den vergangenen Jahren nicht so viele Erfolge erschossen. Erste Bundesliga, Abstieg, dann wieder Aufstieg wieder Abstieg, wieder Aufstieg, man ist geneigt an einen Fahrstuhl zu denken. Doch nüchtern betrachtet erfordern die Misserfolge und die darauffolgenden Erfolge ein gutes Maß an Disziplin, Zielstrebigkeit und Können.

Am Wochenende standen die Mannen um Frank Bahnmüller einmal mehr vor der Aufgabe, einen Schritt nach vorne zu machen und vor allem, den einen Schritt in die höhere Liga zu besiegeln. Vier Mannschaften standen sich gegenüber, vielmehr auf den Schießständen nebeneinander, und kämpften im Leistungszentrum Ruit Schuss für Schuss um den Aufstieg in die Beletage – dorthin wo sich der SVW so gerne sieht und nach eigenem Ermessen auch hingehört. Es ging beim wichtigsten Wettkampf am Ende der Saison darum, einen der beiden Aufstiegsplätze zu buchen oder besser formuliert, zu erschießen. Nach dem ersten von zwei Durchgängen war für die Sonnenbühler die Welt noch in Ordnung. Gemeinsam mit Hilpoltstein lag das Team um Gaby Haas (Tagesbestergebnis 385 Ringe) auf einem der beiden Aufstiegsplätze. Die zweite bayrische Mannschaft, Edelweiß Scheuring, lag mit vier Ringen Vorsprung auch nur knapp in Führung, berichtet Frank Bahnmüller. Der SVW knüpfte also nahtlos an diese gnadenlos gute Zweitliga-Saison an, in der sie jeden Wettkampf – jeden! – gewonnen haben. Doch dann im zweiten Durchgang blieben alle Willmandinger Schützen unter ihren Möglichkeiten, sodass am Ende 19 Ringe zum zweiten Aufstiegsplatz fehlten. Warum? War es doch zu viel der Siege, zu leicht das Spiel, zu sicher der Kopf, zu nah der Erfolg? Faszination Sport. Hier eine Erklärung zu finden, hieße die Welt erklären. Was hier passiert, bleibt verborgen. Sicher ist nur, die guten Schützen waren an diesem Tag im zweiten Durchgang nicht gut genug, um am Ende maßlos zu feiern.

Wieder einmal beweist dieses Geschehen, dass Sport zwar den Körper stählt und fordert, aber der Kopf am Ende die Richtung bestimmt. Wenn nicht alles stimmt, Einstellung, Wille, Konzentration und Kondition, dann hilft auch ein Quäntchen Glück nicht viel weiter. Eine Erklärung liefert Frank Bahnmüller: »Leider mussten wir erneut auf unseren Topschützen Dusko Petrov verletzungsbedingt verzichten. Ansonsten wäre das Ergebnis sicherlich anders ausgegangen.« Gleichwohl brauchen die Willmandinger »den Sand nicht in den Kopf stecken«, wie einstmals Deutschlands Vorzeigekicker und Zitatenkönig aus Franken, Lothar Matthäus in die Mikrofone der Medien hineinstotterte. Im Gegenteil. »Es war trotzdem eine tolle Saison und grandiose Leistung meiner Mannschaft ohne Niederlage Zweitligameister zu werden. Das macht uns so schnell keiner nach.« Nein, das macht ihnen so schnell keiner nach. Und vermutlich auch das Feiern nicht.

Denn das haben sich die Luftpistolenschützen nicht nehmen lassen, einfach mal Prost zu sagen am Ende dieser großartigen Saison. Wer verliert, muss aufstehen und weiter machen, wieder angreifen. Das haben Bahnmüller und Co. schon oft bewiesen und so verkündet der Vereinschef. »Nächstes Jahr, so waren sich alle Schützen einig, nehmen wir einen neuen Anlauf Richtung 1. Liga«. Bravo. Wer sein Ziel verfehlt, hat gleich wieder ein neues Ziel und das Ziel des Lebens ist sowieso »das Gute«, wie Leo Tolstoi, der große russische Romanautor, den Menschen ins große Buch des Lebens schrieb. –diet