Wer sich einmal für eine Sache verschrieben hat, der wird sie nicht mehr los. Oder anders herum ausgedrückt: Eine Sache, die für einen Menschen bestimmt ist, haftet ein Leben lang an ihm. Wer als Schwabe im Ausland lebt, der kauft sich Mehl und kocht seine Spatza egal wo auf der Welt. Vorausgesetzt es gibt Wasser. Wer als Engländer geboren wird, der neigt dazu einen Sport gut zu finden, den andere Bewohner von zivilisierten Staaten als roh und brutal bezeichnen.
Rugby ist kein Kindergeburtstag, es ist ein Sport für wahre Männer und wahre Frauen, auch das schwache Geschlecht schnappt sich ja mittlerweile das Ei und befördert es unter Ekstase hinter die Punktelinie.
Der Sport findet in Deutschland immer mehr Freunde, aber ein Volkssport bleibt es wohl nur in Ländern mit britischen Wurzeln. Dort steht die Wiege von Alan Stockbridge. Der Engländer lebt seit 1994 in Nehren, liebt seine Frau Beate, lernte das Schwabenländle respektive das Steinlachtal lieben und liebt Rugby. Das Schicksal lieferte ihn sozusagen dem Sport aus.
Der elfjährige Alan ging in seiner Heimatstadt Tottenham in eine Grammar School und dort war der schnöde Fußball verpönt. »Rugby gilt als edler«, sagt der heute 61-Jährige. Seit er in der Schule den Umgang mit dem Ei gelernt hat, liebt er diesen Sport, der »ganz ehrlich ist und fair« sei. Stockbridge beginnt zu schwärmen, wenn er davon erzählt. Vor allem aber lebt er seinen Sport immer noch. Selbst im fortgeschrittenen Alter ist er noch aktiv.
Die Baden-Württemberg-Oldies sind ihm Heimat geworden. Nachdem er nach seiner jugendlichen Sturm-und- Drang-Zeit, in der Mädels und Party den Sport zur Nebensache machen, im Alter von 21 Jahren wieder angefangen hatte, Rugby zu spielen, endete seine aktive Zeit, nachdem er in Nehren Wurzeln geschlagen hatte.
Mit 36 Jahren kann man aktiven Sport beenden, doch offensichtlich lässt einen dieser Virus nicht mehr los. Vor sechs Jahren erwachte nämlich dieser Drang wieder mit dem Ei über den Platz zu rennen, zu rempeln, zu werfen, zu kicken, zu hechten, zu jubeln. Seine beiden Töchter, beides große Rugbyfans, hatten ihn nach Rottweil gelotst, dort sah er ein Spiel und schmolz dahin. Dort erfuhr er auch von den Baden-Württemberg-Oldies und fortan hatte er seine Rugbysachen wieder im Auto.
Er stieg wieder in den Sport ein, der ihm so viel gibt, auch deshalb, weil er etwas gesucht hat, um am Wochenende meinen Kopf freizubekommen. Immer wieder im Jahr geht er nun auf Turniere und spielt mal für diese oder jene Mannschaft, wo halt Leute fehlen. Im Rugby, erzählt er, gehe es nicht so sehr ums Gewinnen oder verlieren. »Da steht voll die Sache im Vordergrund, Rugby ist ganz ehrlich«, schwärmt er und ergänzt auf Schönstem englisch-deutsch. »Da kann man kein Bullshiting machen. Man muss Disziplin haben und man fühlt sich richtig echt.«
Aber für Außenstehende, lieber Alan Stockbridge, wirkt das alles doch sehr rau und hart. »Rugby«, beginnt der schwäbische Engländer zu philosophieren, »ist eine Schule fürs Leben. Man braucht Disziplin und Teamwork und vor allem kann man es nicht richtig spielen ohne Respekt«, so der Nehrener. Aber das Schönste ist: Nachher trinkt man ein Bier zusammen. »Wenn es dann doch mal ein paar schwierige Situationen gegeben hat, dann geht man mit dem Bierkrug nach Spielende zum Gegner und schenkt ihm ein. Dann ist alles wieder gut.« Wenn es im Leben doch auch so einfach wäre.     –diet