Im Journalismus gibt es eine Regel, an die sich in der Regel alle halten. »Keine Witze oder Verunglimpfungen mit Namen.« So etwas fällt uns ja sowieso nicht ein, aber manches Mal bietet sich für eine starke Schlagzeile eben eine Wortspielerei an, weil man es eben besser nicht sagen konnte. So wie in diesem Fall. Schöner kann man eigentlich nicht auf diese Geschichte und vor allem was dahinter steckt, nicht hinweisen. »Ohne Moos nichts los«, bietet sich als Floskel, als Schlagwort bei Thorsten Moos an. Der Upfinger ist ein Paradebeispiel für einen engagierten Menschen, der sich auch durch schwierigste, ja bedrohliche Situationen nicht von seinem Weg abbringen lässt.
Das Engagement hat der Fußballschiedsrichter nun nach 30 Jahren schriftlich, zu Beginn allerdings bekam er es mit mächtig viel Gegenwind zu tun. Als 16-Jähriger stand er fußballerisch im Tor und sei »bei einer Entscheidung des Schiris ausgetickt«, so schildert er seine Anfänge. Sein ehemaliger Jugendleiter hat ihm dann die Pistole auf die Brust gesetzt und gesagt, »dann pfeif doch selber« und ihn gleich zum Schiri-Kurs angemeldet. Das war 1986. Zwei Jahre später schickte ihn der Württembergische Fußballverband (WFV) dann zu seinem ersten Spiel bei den Aktiven – und das hatte es in sich. Für die einen ging es um die Meisterschaft in der Bezirksliga, für die Anderen gegen den Abstieg. Mächtig Dampf war da drin also und ein Grünschnabel in Schwarz mittendrin.
Moos zeigte »einem Schirikollegen, der aktiv kickte« die Rote Karte und von da an begann das irre Szenario. Mit Polizeischutz wurde der Upfinger damals vom Platz nach Hause begleitet. »Das war eine aufgebrachte Meute. So einen Korso hatte ich nicht mal bei der Hochzeit. Aber ich hatte richtig entschieden«, erinnert er sich. Jeder, der das liest, hätte nun Verständnis dafür, wenn Moos nach dem ersten Spiel, als 18-Jähriger gesagt hätte: »Hey Leute, das brauch ich nicht jedes Wochenende, macht euer Sach alleine.« Doch Moos blieb dabei, Woche für Woche, schaffte es bis zum Bezirksliga-Schiri und als Assistent in die Verbandsliga, hat mittlerweile über tausend Spiele gepfiffen. Wohl gemerkt: nicht vor laufenden Kameras und dem Schutz der Öffentlichkeit, sondern meist allein gestellt auf sich und seinen Entscheidungen. Aber nicht nur das.
Achtung jetzt kommt eine lange Liste: Moos war Jugendleiter und -Trainer bei der TuS Metzingen, bringt sich seit 30 Jahren in die Schiedsrichtergruppe Reutlingen ein, als stellvertretender Obmann, im Ausschuss oder als Jugend-Einteiler, seit 2012 ist er Schiri-Beauftragter des TSG Upfingen, Staffelleiter der Frauen-Bezirksliga Alb, er ist Gründungsmitglied des Fördervereins der Schiedsrichtergruppe Reutlinger sowie war deren Erster Vorsitzender, er ist bis heute ständiger Helfer bei der Organisation und Durchführung von Lehrabenden, Prüfungen, Hauptversammlungen. Kurz: So viel Engagement passt eigentlich gar nicht in ein Leben. Dafür hat ihn nun zusammen mit 37 anderen Schiedsrichtern der WFV unter dem Motto »Danke Schiri« geehrt. Die Laudatio dazu verlas Ex-Bundesliga-Schiri Knut Kircher. Er begann mit den Worten. »Was für ein Abend! Hier sitzen lauter Legenden an den Tischen.« Wir ergänzen. »Ohne Moos nichts los.« Der Name steht dabei nicht nur für Fußballspiele, sondern für unsere ganze Gesellschaft. In allen Bereichen braucht es solche Menschen wie Thorsten Moos. Sie machen das Leben lebenswert.     –diet