Es gibt Dinge im Leben, da gähnt die Mehrheit der Leute schon, wenn sie davon hört. Nehmen wir uns ein Beispiel: aufgelegt schießen. Da winkt jeder gleich ab. »Lass stecken. Das kann ich auch. Ist doch easy« lauten die Reaktionen, wenn es überhaupt welche gibt. Naja, wenn es so einfach wäre, dann gäbe es ja lauter Deutsche Meister. Das stimmt aber auch wieder nicht. Denn es kann ja nur einen geben. Also kann es nicht so einfach sein, mit der aufgelegten Luftpistole ins zehn Meter entfernte Ziel zu treffen. Fragen wir doch mal bei einer Könnerin ihres Faches nach. Marion Münch nämlich gehört in ihrer Altersklasse zu den Spitzenleuten und stand nun gleich zwei Mal ganz oben auf dem Treppchen bei der Deutschen Meisterschaft. Und das hat die Sonnenbühlerin ihrer absoluten Treffsicherheit zu verdanken, bei der es sogar auf Mikrometer ankommt. Da passte kein Haar mehr zwischen die Entscheidung um Platz eins zwischen Marion Münch und Platz zwei, Katharina Zakrzewski bei der DM in Hannover. Die Willmandingerin Münch schoss wie entfesselt und auch schnell. Am Ende zeigte die Anzeigetafel 297 Ringe von 300 möglichen im Luftpistolenschießen an, dabei fielen 14 Innenzehner. Schon allein dieser Name wäre eine eigene Kolumne wert. Also ist es ein Zehner oder was? Zur Erklärung: Zehn ist das Maximale, was ein Schütze treffen kann. Dachten wir bis wir Frau Münch trafen. Nun wissen wir: Es gibt einen Zehner im Zehner. Robin Hood hat ja schließlich auch den Pfeil seines Konkurrenten, der schon mitten in der Mitte gesteckt ist, gespalten. Also so muss man sich ungefähr den Innenzehner vorstellen, der ist halt a bissle mehr zehn als normal. Aber noch keine Elf. Verstanden? Kein Problem. Sagen wir ganz einfach und verständlich: Es ging recht knapp zu bei der Entscheidung. Jedenfalls war es nach 2014 (Rang zehn), 2015 (Rang fünf) nun die nächste Steigerung im Sportlerleben der Marion Münch. Und wenn es läuft, dann läuft’s oder schießt’s, wie man will. In der Kategorie Pistole Auflage stand Marion Münch ebenfalls ganz oben auf dem Treppchen und darf sich jetzt Doppel-Meisterin nennen. Und wer war Zweite in dieser Klasse: Genau Katharina Zakrzewski, diesmal hat’s allerdings keine Innenzehner gebraucht, denn da war Münch mit 295 zu 292 Ringen deutlich besser. Und nicht nur besser als ihre schärfste Konkurrentin: sogar besser als die Besten des starken Geschlechts. Da kann man sich schon was darauf einbilden. Stolz ist die Sonnenbühlerin, die für den SV Willmandingen antritt, auf ihre Leistung und fühlt sich in Topform. In diesem Jahr hat sie alles erreicht, was sie wollte und noch ein bisschen mehr oder Pardon einen Innenzehner mehr, da könnte man doch getrost die Pistole nicht nur auflegen, sondern gleich an den Nagel hängen. Mitnichten. Die Willmandingerin liebt den Konkurrenzkampf und die Herausforderung. Das ist für sie wie ein Erfrischungsbad. »Was soll ich denn jetzt machen. Daheim stricken?« Mit einer heißen Zehnernadel einen Schal, das wär doch was. Aber ist beileibe nicht so spannend. –diet