Da freut sich das Dichterherz: Am Fest der Liebe über die Liebe zu schreiben. Dieses schrecklichste, größte, furchtbarste, zerstörendste und wunderbarste Gefühl, das die Menschen seit dem Neandertaler bewegt, begehrt, beflügelt. Die größten Geister des Homo sapiens haben sich ihr Herz darüber zerbrochen, das Innerste nach außen gekehrt, sich den Dolch in die Seele gebohrt, und sich vor Schmerzen in die Arme der Geliebten gesungen. Kein Kopf bleibt dabei kühl, des Dichters Schmerz bewegt die Massen und führt manchmal sogar bis in den Tod. Wie etwa die Selbstmordwelle nach dem Erscheinen von Goethes Werther, der sich als junger Mann die Pistole wegen unerfüllter Liebe an die Brust setzte.
Oft enden die großen Liebesgeschichten dramatisch, selten, vielleicht nur bei Rosamunde Pilcher, enden sie schmalzfetttriefend mit einem vorausschaubaren Ende. Wie grauslig schön dagegen ist die Geschichte von Romeo und Julia, die beide mit ihrer Liebe das Feindesband überwinden, und doch im Tode enden. Gleichwohl gilt das Stück als die romantischste aller Geschichten mit wunderbaren Zitaten. »Und Liebe wagt, was irgend Liebe kann«, schwärmt Romeo im zweiten Akt und da wären wir jetzt auch mitten in unserer heutigen Geschichte.
Denn wer vermag es sonst, einen Menschen aus seinem fest angestammten Platz im Leben aus seiner Heimat herauszureißen und woanders einzupflanzen. Wohl nur die Liebe und so landen wir heute bei Sabrina Mockenhaupt. Batsch. Das ist ein Name, der seit Jahren in der Leichtathletik für Furore, und manches Mal auch für Erstaunen sorgt. Die Langstreckenläuferin aus Siegen weist eine beeindruckende sportliche Vita auf: Zwölf Mal Deutsche Meisterin über 5000 Meter, neunmal über 10 000 Meter, ebenfalls neun Mal im Crosslauf, dazu kamen Teilnahmen an Europa- und Weltmeisterschaften sowie an Olympischen Spielen 2004 und 2012. Chapeau kann man da nur sagen.
Aber uns ist der 1,55 Meter große Lauffloh, wie sie oft bezeichnet wird, eher von spektakulären Auftritten außerhalb der Laufbahn bekannt. Da war beispielsweise 2005 die Pressekonferenz bei der WM in Helsinki, als sie losheulte wie ein Schoßhund und darauf hin auch den Satz prägte: »Man könnte jetzt meinen, ich bin das heulende Elend, aber das bin ich nicht.« Das war am Anfang ihrer Karriere kein Einzelfall, immer wieder sah man sie flennend vor Fernsehkameras. Doch das hat sich geändert, die Kollegen titelten vor geraumer Zeit »Von der Heulsuse zum Champion«, was im Grunde genommen alles sagt. Sie hat sich entwickelt, aber man wird ja den Verdacht nicht los, dass das Heulen ein Teil des Konzepts in ihrem sportlichen Leben ist.
Denn Sabrina Mockenhaupt galt und gilt als eine der bestens vermarkteten Läuferinnen überhaupt in Deutschland. Das ist aller Ehren wert und keiner Kritik würdig. Nun stellt sich allerdings die Frage, warum wir so viel Worte über diese Größe des deutschen Sports verlieren, wenn doch eigentlich die Protagonisten dieser launigen, allseits beliebten Kolumne vornehmlich aus der Region stammen. Eben deswegen. Sabrina Mockenhaupt lebt jetzt nämlich in Metzingen, siegte erst vor Kurzem beim Nikolauslauf in Tübingen und erfreut sich an den schönen Dingen des Lebens im Ermstal und Drumherum.
Wir hätten gern selber mit ihr gesprochen, doch ihr Management respektive ihr Pressebüro hat uns sachlich mitgeteilt, dass sie absolut keine Zeit, nicht mal fünf Minuten, für ein Gespräch hat. Sie muss ja schließlich laufen. Dabei ist doch der Grund für ihren neuen Lebensmittelpunkt das schrecklichste, größte, furchtbarste, zerstörendste und wunderbarste Gefühl, das die Menschen seit dem Neandertaler bewegt, begehrt, beflügelt. Genau die Liebe. Sie führte Mockenhaupt ins Ermstal und das Pressebüro hat uns das bestätigt. Mehr haben wir nicht erfahren, und wollen es auch nicht. Liebe ist privat und da wollen wir die Turteltäubchen nicht stören und gönnen ihnen das Glück. Da erinnern wir uns an eine Gedichtzeile von Barthold Hinrich Brockes (1680 - 1747):
»Dass wir unsere Glieder regen,
dass die Menschen Menschen seyn,
stammet, wenn wirs recht erwägen,
nur aus dem Gefühl allein.
Unsrer Eltern zarte Triebe
kamen aus der Lust der Liebe,
Und der Liebe Scherz und Spiel
ist ein kitzelndes Gefühl.«    –diet