Da traut man seinen Ohren nicht. Länger als ein halbes Leben lang stand er auf der Matte, schlug Bälle übers Netz, schmetterte und fluchte auch das ein oder andere Mal. Aber einen Schläger zertrümmert, nein, das hat Joachim Mack nie. »Schließlich bin ich ja Schwabe.« So etwas gibt es nicht mehr sehr häufig. Ein Mensch, der sein Leben lang einem Verein treu bleibt und vor allem auch noch aktiv Sport treibt in höheren Klassen. Der Metzinger begann im Alter von 18 Jahren bei der TuS Metzingen Badminton zu spielen, »ein Bekannter hat mich mitgenommen«, so hat das angefangen, da hat ihn das schnelle Spiel in den Bann gezogen. Seit 2009 ist es die SG Metzingen/Tübingen, auch hier schmettert er fleißig die Bälle übers Netz. Vorher hat der heute 63-Jährige Handball gespielt, »aber da ich körperlich nicht so ganz mithalten konnte, hab ich da keine erfolgreiche Perspektive gesehen«. Da kam das Spiel über Netz mit Schläger und Federball gerade recht. Die Faszination Badminton: Viele Schlagvarianten, es gibt mehr Möglichkeiten wie im Tennis, man braucht eine enorme Reaktionsschnelligkeit, gute Beinarbeit, gute Technik. Und eine gute Kondition. Das alles hat ihn 45 Jahre lang begleitet gefördert und gefordert, nun beendete Joachim Mack seine aktive Karriere. Vor dieser Leistung kann man nur den Hut ziehen. Denn Badminton zu spielen bedeutet eben auch immer gegen Jüngere antreten zu müssen. Und es ist ein Sport, der alles von den Athleten fordert. Vor allem als noch nach alter Weise gezählt worden war, da kostete es noch mehr Körner. Joachim Mack kann da eine schöne Geschichte erzählen. Bei der alten Zählweise konnte nur der punkten, der den Aufschlag hatte. Das hieß, man musste erst einen Punkt holen, um selber das Spiel zu beginnen. Bei einem Ranglistenturnier in Schramberg kam es, wie es kommen musste. Beide Spieler schenkten sich nichts und waren fast ebenbürtig. Es ging von Satz zu Satz, immer höher, kein Ende war in Sicht. Mal hatte der Aufschlag, mal der. Die Punkte blieben. Nach anderthalb Stunden dann die Entscheidung im dritten (!) Satz. Mack hatte 17:18 verloren und war total K.o. Ein Trost blieb ihm danach: Sein Gegner, ein Heidenheimer, hat es ebenso viele Körner gekostet. »Danach hat er kein Spiel mehr gewonnen.« Diese Erinnerung bleibt nach 45 Jahren genauso wie unzählige Erlebnisse von großer Freundschaft und Gemeinschaftssinn. Bleibt die Frage, wie viel Schläger so ein Spieler verschleißt in all der Zeit. Alle acht bis zehn Jahre einer, sagt Mack, »schließlich bin ich ja Schwabe«, ergänzt er mit einem Augenzwinkern. Und ihm würde es niemals einfallen, sein Spielgerät aus Wut zu zertrümmern. Nein, nein, des macht ein Schwabe nicht. –diet