Wer einmal davon gegessen, der ist ein Leben lang davon besessen – oder isst nie mehr einen. Dazwischen gibt es so gut wie nichts beim Hefezopf. Wenn so ein lecker Stück schwäbischer Essenskultur vor einem liegt in seiner ganzen glänzenden Pracht, seufz, dann gibt es für die meisten Landsleute und auch Neigschmeckte kein Halten mehr. Seinen Siegeszug hat das leckere Gebäck auch Sportveranstaltungen zu verdanken, bei denen die Kalorienbombe wieder Energie schenkt, etwa bei Mountainbike-Marathons. Aber als Belohnung für vollbrachte Leistungen oder gar als Namensgeber davon? Das ist originell und verlockend zugleich. Aber neu: Noi, neu ist es nicht.
Schon seit 17 Jahren bekommen die Nachwuchs-Leichtathleten der Altersklassen U 12 und U 14 des Kreises Reutlingen nach der Auftaktveranstaltung des Drei-Hallen-Cups als Prämie einen Hefezopf. Und zwar je nachdem. So etwas gibt es nur in Kleinengstingen. Die beiden anderen Wettkampfstätten Pliezhausen und Metzingen haben sich anderes für die jungen Gewinner ausgedacht. Als damals dieser Wettkampf in der olympischen Kerndisziplin aufkam, gab es für die Verantwortlichen des TSV Kleinengstingen keine Alternative. Sie verteilten am Schluss Hefezopf und die Nachfolger haben das so weitergeführt. Wer braucht schon Goldmedaillen, wenn man einen Hefezopf haben kann? Was für eine Frage.
Und mit der Zeit verselbstständigt sich auch so ein Brauch, mittlerweile, so berichtet Leichtathletik-Abteilungsleiterin Bärbel Haas fröhlich und schmunzelnd, habe sich das zu einem richtigen Event entwickelt. Da bringen die Nachwuchs-Leichtathleten und ihre Eltern schon von vornherein Gläser voll Nuss-Nougat-Creme mit, um nach getaner Renn-, Spring- und Stoßarbeit die Seele zu schmieren und vielleicht auch noch a bissle das Göschle. So einfach kann man Kinder motivieren, noch lieber Leistungen zu bringen. »Sie freuen sich richtig darauf«, so Haas. Rund 30 junge Athleten aus den drei Vereinen sind am Totensonntag, kein Witz, das ist der feste Termin für den Hefezopfcup in Kleinengstingen und der Auftakt des Drei-Hallen-Wettkampfs, in drei Disziplinen unterwegs: 60 Meter Hürden, Weitsprung, Kugelstoß.
Der LV Pliezhausen erwischte dabei den besten Tag, elf Mal standen seine jungen Mitglieder auf dem Treppchen. Oder anders herum gesagt: wollten unbedingt einen größten Hefezopf ergattern. Der ist nämlich ein Meter groß und ihn gab’s für die Siegerteams. Aber bei dieser Veranstaltung gibt es keine Verlierer. Keiner geht leer aus. Nur die Zöpfe werden halt kleiner. Denn jeder kriegt einen. Und hinterlassen dann fast unstillbare Gelüste nach mehr.
Wie hat doch Ernest Hemingway geschrieben, als er in Paris kaum Geld zu Leben hatte? »Hunger ist der beste Antrieb.«     –diet