Nimmt man ein altes Sprichwort zurate, dann hat er einen Riesensatz gemacht. »Je weiter die Ufer, je schwerer der Sprung«, heißt es da. Gianni Seeger hat in seinem Leben schon viele Sprünge gemacht, doch diesen einen vom Wochenende, den wird er wohl nie mehr vergessen. Denn das Ufer war hier sehr weit entfernt vom Balken des Weitspringers. Der Gomaringer zählt in seiner Altersklasse seit Jahren zu den Besten, zu den Hoffnungsvollen, die es eines Tages einmal schaffen könnten. Dazu besitzt der Gomaringer genügend Ehrgeiz und Disziplin, um sich der täglichen Trainingsqual zu stellen. Denn ohne geht auch das größte Talent unter.
Seeger kann beißen und jetzt seit dem Wochenende ins goldglänzende Edelmetall. Der Abiturient schaffte nämlich den Sprung aufs ganz oberste Treppchen bei der Deutschen U 20 Hallen-Meisterschaft. Im Sindelfinger Glaspalast gelang ihm ein mächtiger Satz, den der Weitenrichter mit 7,47 Meter meldete.
Das reichte für den 18-Jährigen, um am Ende zu jubeln, nicht nur über seinen ersten Deutschen Meistertitel, sondern überhaupt über seine erste Goldmedaille. Denn auch in den Landesausscheidungen gibt es ja Goldmedaillen, aber bis dato hatte Seeger den Nimbus des ewigen Zweiten. Diesen zu durchbrechen, auch das war ein Ziel des ehrgeizigen Leichtathleten. Nach konsequentem Training und Vorbereitung gelang ihm dies dann mit seinem Sprung im dritten Anlauf. Der Bann scheint gebrochen, Gianni Seeger lacht auch noch einen Tag nach dem Coup wie ein Honigkuchenpferd und weiß aber auch, dass die Messlatte bei einem Deutschen Meister höher angelegt wird. Kein Problem, das nimmt er gerne in Kauf genauso wie das Training. Momentan sowieso, denn er steckt mitten in der Abivorbereitung. »Da freu ich mich noch mehr auf die Übungseinheiten, da kriegt man dann den Kopf frei.« Ganz frei ist er nicht nach dem Wettkampf, denn er zog sich eine Verletzung zu. Schon während der DM musste er sich von Physiotherapeuten behandeln lassen, auch am Tag danach stand noch nicht fest, was genau es ist. Im schlimmsten Fall ein Kapselriss. Sein Einsatz beim Ländervergleich mit der U 20 Nationalmannschaft gegen Frankreich und Italien ist noch nicht sicher, im Zweifelsfall verzichtet er zugunsten der Gesundheit auf einen Start. Schließlich warten ja noch große Ziele auf den jungen Mann aus Gomaringen, der am Dußlinger Karl-von-Frisch-Gymnasium sein Abi baut. Die Qualifikation für die Europameisterschaft will er auf jeden Fall wieder schaffen in diesem Jahr. Dazu muss er 7,55 Meter weit springen im Freien. Wie hat noch der französische Philosoph Marquis des Vauvenargues (1715 bis 1747)uns alle ins Stammbuch des Lebens geschrieben? »Bedeutendes erreicht der Mensch nur im Sprung«. –diet