Als Neuling im großen Pferdesport steht man vor böhmischen Dörfern. Und wenn es dann auch noch die Vielseitigkeit ist, die den jungen Mann fordert, dann ist die Herausforderung doppelt so groß. Der junge Journalist verlor sich auf dem traumhaft schönen Gelände im Haupt- und Landgestüt Marbach und das Große und Ganze war ihm ein Rätsel. Doch es gibt ja Menschen wie Gerd Haiber. Der Parcourschef der Marbacher Internationalen Vielseitigkeit ist ein ausgewiesener und anerkannter Fachmann auf seinem Gebiet, vor allem aber auch ein Menschenfreund. Als wir uns das erste Mal begegneten, fielen nicht viele Worte, Haiber ist Schwabe und ein Schaffer. Aber es fielen seine warmen Augen auf, und seine Hilfsbereitschaft. Der Burladinger, der in Reutlingen Textilingenieur studiert hatte, nahm als Parcourschef den jonga Kerle an seine Hand, zeigte an einem Samstag lange vor dem Wettkampf die Hindernisse, erklärte die Schwierigkeiten und Herausforderungen. Eines fiel dabei vor allem auf: Es ging dabei nicht um Überforderungen, sondern darum, einen fairen anspruchsvollen, dem Gelände angepassten Parcours zu bauen, den die Teilnehmer auch bewältigen konnten. Vor allem dachte er dabei auch an diejenigen, die sich nicht mit Worten wehren konnten. Die Pferde. Gerd Haiber war ein großer Freund dieser Vierbeiner, saß selbst als Vielseitigkeitsreiter im Sattel und hatte 1986 die baden-württembergische Meisterschaft gewonnen. Gerd Haiber war aber auch ein Geländefreund, der so sanft als möglich in die Verhältnisse eingegriffen hat und so elegant wie möglich. 2003 überraschte der Hindernisbauer mit einer spektakulären Aufgabe im Eichelesgarten. Das Blockhaus überwanden nicht alle, es stand mächtig den besten Buschreitern aus Deutschland und der Welt im Weg und nur die ganz Mutigen überwanden es. Damals, 2003, zeigte ein gewisser Michael Jung, wie man so ein Haiber-Hindernis nimmt. Der Horber und spätere mehrfache Olympiasieger dominierte in diesem Jahr die Marbacher Vielseitigkeit und Haiber war in seinem Urteil bestätigt: Die Besten nehmen das Hindernis locker. Und über Jung sagte er damals: »Aus dem Kerle wird no was.« Gerd Haiber machte nie viel Worte, aber er hatte ein Werturteil über die Dinge. Umso schwerer trifft die Reitergemeinde nun sein Tod. Nach einem Autounfall auf dem Weg nach Donaueschingen, wo er eine Geländestrecke baute, erlag er seinen Verletzungen. Sein Verlust ist kaum in Worte zu fassen. Sein Gesicht, sein Wirken, sein warmes Herz wird fehlen bei der kommenden Marbacher Vielseitigkeit. Diese soll, so versichert es Turnierleiter Wolfgang Leiss, wieder stattfinden. Was nach all den Jahren bleibt, war dieser unglaublich freundliche und hilfsbereite Ton, der immer noch im Ohr klingt. »Hend se älles em Kasta? Wenn no äbbes fehlt oder se äbbes brauchet no kommet se halt.« Danke. –diet