Es ist dieser eine besondere Tag im Jahr im Leben eines jeden Menschen. Seinen Geburtstag feiert jeder anders und jeder pflegt ein anderes Verhältnis zu dem Tag, an dem wir einst unsere Füße in die Welt gesetzt haben. Apropos: Bei manchen Zeitgenossen entsteht der Eindruck, als ob das das einzige wäre, was angekommen ist und der Kopf irgendwo stecken geblieben. Aber lassen wir das und wenden uns der Feier der Geburt zu. Da laden wir unsere Freunde ein, unsere Liebsten, setzen uns zusammen und vergessen den Alltag für einen Moment. Seufz. Schön. Aber es gibt auch Menschen, die an ihrem Jubeltag nach Jubel hecheln, die warum auch immer, engagiert sind, die sich ihr Geschenk bei einem sportlichen Event selbst abholen, erkämpfen oder erlaufen. Das lässt sich nicht so richtig planen, aber es kommt halt wie es kommt. So wie bei Pamela Veith. Sie feiert am Sonntag, 10. Juli Geburtstag und wir halten uns noch zurück mit dem Gratulieren. Soll ja nicht so gut sein, im Vorfeld einen Batsch zu geben. Jene Pamela Veith läuft für ihr Leben gern, »es ist meine große Leidenschaft« und die macht auch an ihrem Geburtstag keine Pause. Wenn dann auch noch der Ermstal-Marathon direkt vor der Haustür der Dettingerin vorbeiführt, dann hält die 42-Jährige nichts mehr. Dann läuft sie auch am Geburtstag und beschenkt sich vermutlich mit einem Platz auf dem Treppchen. Unmöglich ist das nicht. Denn Veith ist keine Unbekannte und so ein Marathon nimmt sie mit wie der Gourmet eine Vorspeise. Genussvoll, aber mit großer Erwartung, was sonst noch kommt. Veith ist Ultraläuferin, rennt schon mal 70 Kilometer oder auch mal sechs Stunden am Stück, dann fließen nur noch Glückshormone durch ihre Adern und pflegen das Wohlsein. Nur am Sonntag beim Geburtstag wird sich die Noch-42-Jährige nicht auf die 42,195 Kilometer Strecke zwischen Metzingen und Bad Urach stürzen. So gern sie es auch täte. Eine Leistungssportlerin wie sie muss ihr Sportjahr planen und die leckeren Ultraläufe liegen zu Beginn und am Ende des Jahres. Die Monate Juni, Juli, August, gehören bei Veith zur Regeneration, was aber nicht faulenzen heißt. Langsam angehen ist angesagt, denn es wartet auf die Dettingerin noch eine Trail-WM über 85 Kilometer und 4 500 Höhenmeter (»Das ist knackig«) oder alternativ ein 100 Kilometer-Straßenrennen in Spanien Ende November. Ein Hobbyläufer kann da nur ungläubig mit dem Kopf schütteln, bei Veith schütteln sich schon die Glückshormone beim Gedanken daran. Und da sie in diesem Jahr schon eine 65 Kilometer Trail-DM in den Beinen hat und den Vize-DM-Titel dazu sowie die Sechs-Stunden-DM mit am Ende Platz fünf, ist eben Pause angesagt. »Deshalb muss ich mich jetzt regenerieren. Das ist schade, ich wäre den Ermstalmarathon gern gelaufen«, sagt sie und läuft doch. Wie der gute alte Käfer eben.
Denn es gibt ja noch den Halbmarathon oder den 10 Kilometer-Lauf am Sonntag. Bei einem von beiden wird sie starten. Dazu will sie sich aber noch mit ihrem Team beraten, welches von beiden mehr Sinn macht. Ginge es nach dem Sinn von Veith, dann käme im Grunde nur der Marathon in Frage. Wegen der Glückshormone. Wie sagte noch der amerikanische Schriftsteller Mark Twain: »Das Geheimnis des Glücks ist, statt der Geburtstage die Höhepunkte des Lebens zu zählen.«     –diet